Er kann alles. Alle Genres, alle Stile, alle Formate. Als Gabriel Metsu 1667 in Amsterdam stirbt, 38 Jahre alt, umfasst sein Werk den Kunstkatalog seiner Zeit, von der Küchenszene bis zur großen Allegorie, bis zu einer innig hingefrommten Kreuzigung, die heute in Rom hängt (und da hängt sie gut). Nur pulverdampfende Schlachtplatten fehlen, werden aber nicht vermisst.

Jetzt sind 35 seiner Gemälde aus allen Weltgalerien im Amsterdamer Rijksmuseum zu sehen. Es ist die erste Metsu-Ausstellung seit fast einem halben Jahrhundert und eine einzigartige Einladung, einen der ganz Großen unter den Alten Meistern näher kennenzulernen. Er gehört wie Willem Kalf oder Carel Fabritius, Jan Lievens, Jan van Goyen oder der mysteriöse Michael Sweerts zu jenen Malern aus Hollands Goldenem Zeitalter, die im Lauf der Zeit in den Schatten von Rembrandt, Hals und Vermeer gerückt sind und die erst heute, in glänzend kuratierten Ausstellungen, wieder zu ihrem Recht und Ruhm kommen.

Einst, im 17. und 18. Jahrhundert, stand Metsus Rang außer Frage. Pariser Großsammler und deutsche Kleinfürsten kauften seine Bilder, auch Cosimo III. de’ Medici in Florenz. Sie zahlten dafür mehr als für einen Vermeer, mit dessen Kunst die seine gern verglichen wird.

In der Tat gibt es so einige Gemeinsamkeiten. J an Vermeer aus Delft ist nur drei Jahre jünger als Metsu, der 1629 in Leiden zur Welt kommt; beide werden sie nicht alt. Beide sind, soweit sich das rekonstruieren lässt, zum Protestantismus konvertierte Katholiken. Auch haben sie beide, wie der Metsu-Kenner und Kurator der Ausstellung, Adriaan E. Waiboer, weiß, von Meistern wie de Hooch, Dou, Terborch gelernt. Und voneinander: Einmal übermalt Metsu sogar, Vermeer zu Ehren, ein in Rot begonnenes Jäckchen gelb, indes Metsus Briefschreibender Herr Vermeer zu seinem Astronomen inspiriert.

Doch ob sie sich persönlich kannten, steht dahin. Die Dokumente aus dem Leben Vermeers sind so spärlich wie die aus dem Leben Metsus wie die aus dem Leben der meisten Maler der Zeit. Taufe, Heirat, Geburt der Kinder, Tod, mehr ist oft nicht belegt. Mitgliedschaft in einer Gilde, ein Geschäftsbrief, der Kaufvertrag für ein Haus. Oder Prozessakten. So hat Metsu Ärger mit seinen Nachbarn in Amsterdam, wo er seit 1654 lebt. Es geht um einen Hühnerdiebstahl. Das immerhin wissen wir: Schon sein Vater war Maler, dito die Schwiegermutter, Maria de Grebber. Auch seine Frau, die liebreizende Isabella de Wolff, die er 1658 geheiratet hat, malte wohl; leider ist kein Bild erhalten.

Er hat sie oft gemalt. Sehr verliebt. Mal sehen wir sie neben ihm, mal allein, in wechselnden Kostümen. Zum Beispiel als heilige Cäcilie, als Allegorie der Harmonie in einer silbernen Seidenwolke, die dem guten Terborch, dem Meister der Seidengarderobe, gewiss gefallen hat. Isabellas Blick ist leicht himmelnd, die eine Hand umfasst den Steg der Viola da Gamba, die andere hält zart den langen Bogen, der die Saiten kaum berührt. Davor entdecken wir den Künstler selbst, in Gestalt eines kleinen braun-weißen Hundes, Männchen machend, bettelnd oder betend, wie verzaubert von der Erhabenheit der Herrin & Gattin – und der eigenen Kunst.