Es soll ja Autofahrer geben, die den Winter hassen, aber ich gehöre zu den anderen, die ihren Eiskratzer das ganze Jahr im Handschuhfach liegen lassen, weil sie nur darauf warten, dass es endlich wieder kalt wird. Am schönsten ist der erste Schnee, der den November auslöscht und die schmutzige Stadt in ein romantisches Gedicht verwandelt. Jetzt kommt es auf das richtige Auto an.

Das richtige Auto ist erstens daran zu erkennen, dass man die Schneeketten am Ende der Saison wieder nicht gebraucht hat, und zweitens an der klassischen Handschaltung. Leider hat mein eisbärenstarker, fünfzylindriger Volvo ein Automatikgetriebe. Will ich wie ein Taxifahrer aus Honolulu um Deutschlands glatteisige Straßenecken schlingern? Nein, ich will auch in engen Kurven so sicher in der Bahn bleiben wie der Hackl Schorsch mit seinem Bob. Deshalb brauche ich Gänge zum Runterschalten. Volvos Ingenieure waren meiner Meinung und haben zusätzlich drei Gänge für den Handgebrauch eingebaut. Das ist mal ein sinnvolles Extra.

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

Die andere Überraschung ist, dass der Volvo S60 problemlos durch die tiefen Spurrinnen meiner heimatlichen Stadtrandsiedlung brummt. Wo die Kleinwagen in den eisigen Rinnen hin und her gerüttelt werden, drückt er den Schnee einfach platt. Nur ein beinahe unmerkliches Nachrutschen des Hecks verrät, dass dieser Volvo keinen Allradantrieb hat. Man muss also auf den immer mehr zuschneienden Parkplätzen aufpassen, dass man beim Parken nach hinten genug Luft lässt, denn rückwärts schiebt sich der schwere Schlitten aus der fettesten Schneewehe.

Nur einmal zweifle ich, ob die Volvo-Bauer wirkliche Freunde des Winters sind, das ist beim Skitransport. Ein Dachgepäckträger kommt auf dem gewölbten Dach nicht infrage, deshalb gibt es im Rücksitz eine Klappe. Mal abgesehen davon, dass sie für zwei Paar Abfahrtsski viel zu klein wäre und die Langlaufbretter gerade so durchpassen: Hat vor mir schon irgendwer versucht, die Klappe allein zu öffnen? Um den Knopf zu drücken, muss ich in den Kofferraum kriechen, bis hinten nur noch meine Beine rausragen, und dann mit der zweiten Hand auch noch gegen die Klappe drücken. Ich brauche drei bis sieben Versuche, und die Schneemänner lachen sehr. Aber im Frühjahr wird ihnen das Lachen vergehen. Dann werden sie mir leidtun, dann lege ich den Eiskratzer ins Handschuhfach und warte auf den nächsten Winter.

Technische Daten

Motorbauart: 5-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 151 kW (205 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 7,8 s
Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
CO2-Emission: 166 g/km
Durchschnittsverbrauch: 6,3 Liter
Basispreis: 33.950 Euro

Evelyn Finger ist Ressortleiterin Glauben & Zweifeln