Viele Bewerber ab Mitte 40 verschweigen ihre Lebensjahre wie eine peinliche Krankheit. Und stimmt es nicht, dass das Alter auf dem Weg zum neuen Job ein Bremsklotz ist?

Dass ältere Arbeitnehmer unter dem Generalverdacht stehen, ihr Wissen stamme von vorgestern, ihre Gesundheit sei angeschlagen und ihre Gehaltsvorstellungen seien übertrieben?

Jede Woche gibt der Coach Martin Wehrle Tipps für den Erfolg im Job in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn"

Heerscharen junger Unternehmensberater fallen über die Firmen her, grasen die Kostenlandschaft ab und machen ältere Mitarbeiter als zweibeiniges Sparpotenzial aus.

Die Geschäftsleitung nimmt ihre Ratschläge gern an, natürlich nicht auf sich selbst bezogen, sondern nur auf die Angestellten. Unter dem Tarnmäntelchen der Frühverrentung schubsen sie spätestens die Generation 55 plus vor die Tür.

Trotzdem ist es ein Fehler, bei einer Bewerbung das Alter zu verschweigen. Es gilt das psychologische Gesetz der Mehrdeutigkeit: Wenn eine Lücke zum Spekulieren bleibt, füllen Menschen sie mit – meist ungünstigen – Annahmen.

Ein Bewerber von Ende 40 wird dann unter Umständen nicht für Mitte 40, sondern eher für Mitte 50 gehalten.

Statt beim Alter zu schummeln, sollten ältere Bewerber Firmen suchen, die Mitarbeiter nach Leistung statt Lebensjahren beurteilen. Im Zweifel sind das Mittelständler, die ihr Gehirn noch nicht an der Börse verkauft haben.

Den größten Erfolg haben reifere Bewerber, die ihr Alter offensiv als Vorteil verkaufen : Welche Erfahrungen, welche Kompetenzen und Kontakte bringen gerade sie mit?

Welche Probleme, vor denen eine Firma steht, haben sie schon mal gelöst? Wer unverkrampft zu seinem Alter steht, erzeugt unverkrampfte Reaktionen. Dagegen erzeugt das Schummeln an der Altersgrenze, und sei es nur Verschweigen, oft einen Absagereflex.