Auf der Kunstmesse Art Basel wird es diesen Juni kein aktuelles Gemälde von Neo Rauch, Martin Eder oder Tim Eitel zu kaufen geben. Schuld daran ist die Entscheidung der Kunstmesse, dieses Mal die in Berlin und Leipzig beheimatete Galerie Eigen+Art nach vielen Jahren nicht mehr teilnehmen zu lassen. Na und? "Ein Skandal!", tönt es vielstimmig aus Berlin.

Die Absage an Gerd Harry "Judy" Lybke, den Entdecker von Neo Rauch , sorgte für große Aufregung. Seine Kollegin Nicole Hackert von der Galerie Contemporary Fine Arts sprach von "erbärmlichsten Politbüro-Methoden", Kollege Christian Nagel von der "provinziellen Mittelmäßigkeit" der Juryentscheidung. Dabei verdeutlicht der Tumult um die Absage zweierlei: Die Macht dieser Messe ist unheimlich groß, die Teilnahme an der Art Basel ist für die Galeristen moderner und zeitgenössischer Kunst von nicht zu überschätzender ökonomischer und symbolischer Bedeutung. Und: Die Kunstmetropole Berlin hat inzwischen auch auf dieser weltweit wichtigsten Messe das Sagen.

Denn es waren nicht die Messedirektoren Marc Spiegler und Annette Schönholzer, die Eigen+Art ausgeladen haben, sondern es war jenes sechsköpfige Komitee, das jedes Jahr in einer insgesamt fast dreißig Arbeitstage umfassenden Prozedur aus 1000 Galeriebewerbungen die 300 glücklichen Teilnehmer auswählt. Und ebendieses überaus mächtige Komitee besteht derzeit zur Hälfte aus Galeristen, die in Berlin sitzen oder hier eine Dependance betreiben: Tim Neuger von Neugerriemschneider, Claes Nordenhake (ein Stockholmer Galerist, der in Kreuzberg ein ganzes Galerienhaus initiiert hat) und Jochen Meyer von der ehemals nur in Karlsruhe ansässigen Galerie Meyer Riegger. Wieso haben diese drei Berliner Juroren an dem Rauswurf von Eigen+Art mitgewirkt? Soll so das Ende der Neuen Leipziger Malerei eingeleitet werden? Geht es um unliebsame Konkurrenz? Oder sind die Kollegen einfach nur neidisch auf den Impresario Lybke, der auch von jenen Medien geliebt wird, die normalerweise rein gar nichts von Kunst wissen wollen?

Ihre Absagen begründet die Jury traditionell nicht. Doch aus dem Umfeld der Jury ist zu hören, dass man Lybke in den vergangenen Jahren bereits wegen der "einfallslosen" Präsentation seiner Künstler an seinem Stand gewarnt habe.

Um einen grundsätzlichen Streit zwischen Kunststilen oder Schulen dreht es sich wohl nicht, denn "einfallslos" präsentiert sich auf der Art Basel die Mehrheit der Galeristen – man will hier schließlich nicht experimentieren , sondern vor allem verkaufen. Neben Eigen+Art wurden auch zwei weitere wichtige Galeristen aus Berlin ausgeladen, die sich in ihren Programmen stark unterscheiden: Mehdi Chouakri und Giti Nourbakhsch. Als Grund für die Absage vermutete Letztere in einem offenen Brief die Intrige eines Netzwerks um das Gallery Weekend Berlin – zu dem Nourbakhsch bis vor zwei Jahren selbst zählte. Die Berliner Art-Basel-Juroren, die allesamt Gesellschafter des erfolgreichen Gallery Weekend sind, weisen diesen Vorwurf zurück. Auf der räumlich begrenzten Art Basel müsse es Fluktuation geben.

Das Sonderbare an der Ausladung von Eigen+Art ist jedoch, dass sie so offensichtlich der Messe schadet. Denn Judy Lybke war stets ein großer Propagandist des Kunstmarkts. Und die von ihm mitgebrachte Kunst von Neo Rauch und Kollegen lockte verlässlich Sammler aus den USA und anderswoher an. Aus Solidarität mit Lybke wird jetzt etwa auch der New Yorker Galerist David Zwirner kein Bild von Neo Rauch in Basel zeigen.

Wenn es Judy Lybke allein um seine Künstler ginge, dann könnte er sie in Basel auf einer der vielen Satelliten-Messen zeigen. Die Kunst bleibt schließlich dieselbe, egal, in welcher Halle man sie zeigt. Doch es geht auf der Art Basel nicht nur um die Kunst, sondern um ihren Wert. Es geht um einen Markt, der noch nie gerecht war, auf dem auf nicht gar so wundersame Weise gigantische Vermögen geschaffen werden, auf dem kein wirklicher Wettbewerb herrscht, vieles auf Absprachen beruht und alles auch immer den Regeln der symbolischen Ökonomie folgen muss. Die Vorstellungen von Qualität, denen die Galerie Eigen+Art nun anscheinend nicht mehr genügt, sind auf diesem Markt auffallend diffus.