Die Frage: Hans und Charlotte sind auf dem Heimweg von einer Party. Ein Taxi kommt vorbei, sie winken es heran, aber bevor sie einsteigen können, drängeln sich zwei Männer vor: "Wir warten hier schon eine halbe Stunde!" Der Taxifahrer hält sich raus, er hat jemand winken gesehen und weiß nicht, wer es war. "Das wäre das erste Mal, dass ich mir ein Taxi wegschnappen lasse!", schreit Hans.

Die Männer bauen sich drohend auf. Charlotte beginnt zu zittern und zupft Hans am Ärmel. Hans zieht sich widerwillig zurück. Zwei Minuten später kommt das nächste Taxi, aber die Stimmung ist dahin. Charlotte klagt: "Ich ertrage diese Aggressionen nicht, seit Jahren rastest du wegen Kleinigkeiten aus!" Hans ist beleidigt: "Wenn du ein Weichei willst, musst du dir einen anderen suchen, ich werde mich nicht ändern!"

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Ein Teil der Konfliktpsychologie ist die Drohungskunde. Sie besagt kurz zusammengefasst, dass Drohungen in der Regel Gewalt nicht ankündigen, sondern helfen, sie zu vermeiden. Beobachtungen an Gorilla-Männchen haben gezeigt, dass deren ausgeprägte Drohrituale kaum je in Handgreiflichkeiten münden. Menschen haben sich in diesem Punkt gar nicht so weit von ihren Ahnen entfernt.

Drohende Männer können oft viel besser einschätzen, wie weit sie noch von Gewaltausübung entfernt sind, als Frauen, die sie beobachten. Während Hans nur überzeugend drohen wollte, sah Charlotte schon eine blutige Schlägerei auf sich zukommen. Und anders als feudale Damen genießen es emanzipierte Frauen nicht, wenn sich Männer ihretwegen duellieren.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE . Die Fragen seiner Kolumne werden in seinem Buch "Paartherapie: Konflikte verstehen, Lösungen finden" vertieft, das beim Gütersloher Verlagshaus erschienen ist.

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