Es ist die fünfhundertste Aufführung desselben Stücks. Dieselbe Kulisse, dasselbe Drehbuch, dasselbe Drama: "Dioxin im Essen". In unserem täglichen Essen – im Frühstücksei, in der Bratwurst.

Frager:Wie kommt das Dioxin ins Essen ?

Funktionär: Durchs Tierfutter, Dummkopf!

Frager: Hühnerfutter? Schweinefutter?

Funktionär: Genau.

Frager: Ist Dioxin auch im Hundefutter?

Funktionär: Wird sich noch herausstellen.

Frager: Wer vermischt denn Dioxin mit Tierfutter?

Funktionär: Das muss nicht unbedingt ein "Wer" gewesen sein. Sondern? Ein technischer Fehler, ein Versehen.

Frager: Also nicht absichtlich?

Funktionär: Das wird sich herausstellen.

Frager: Was kann man künftig dagegen tun?

Funktionär: Strengere Kontrollen.

Frager: Die haben Sie schon beim letzten Mal angekündigt.

Funktionär: Ich? Das war mein Vorgänger.

Frager: Werden Sie die Kontrollen denn durchsetzen?

Funktionär: Man muss erst das Untersuchungsergebnis abwarten.

Frager: Und dann?

Funktionär: Dann werden die notwendigen Maßnahmen eingeleitet.

Frager: Worin bestehen die?

Funktionär: Das richtet sich nach der Art der Futterbeimischung.

Frager: Die ist doch bekannt: Dioxin!

Funktionär: Es geht jetzt darum, einen kühlen Kopf zu behalten. Solange die Untersuchungen nicht abgeschlossen sind ...

Frager: Man hat doch sogar einen Verdacht, wo das Futter verunreinigt wurde.

Funktionär: Ich warne vor voreiligen Schuldzuweisungen.

Frager: Wenn das absichtlich geschah, handelt es sich um ein Verbrechen!

Funktionär: Ein technischer Fehler ist nicht auszuschließen.

Frager: Ein Verbrechen, weil jemand aus Profitgier die Gesundheit der Verbraucher aufs Spiel gesetzt hat.

Funktionär: In keinem Ei wurde eine gesundheitsgefährdende Dosis Dioxin gefunden.

Frager: Und in keinem der Dioxinskandale wurde je ein Unternehmer zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Funktionär: Woran Sie die Harmlosigkeit der Vorfälle erkennen.

Frager: Die Bauern, die ihre Eier und Schweine nicht verkaufen können, finden das weniger harmlos.

Funktionär: Der Umfang des Schadens für landwirtschaftliche Betriebe ist noch nicht bekannt.

Frager: Tausende Höfe wurden gesperrt.

Funktionär: Ich möchte darauf hinweisen, dass uns bisher kein einziger Fall von Erkrankung durch manipuliertes Tierfutter bekannt ist.

Frager: Nur ein Fall von verbrecherischer Giftbeigabe im Tierfutter, wodurch zahllose Bauern bankrottgingen, und trotzdem wurde kein Giftmischer angeklagt.

Funktionär: Weil eine vorsätzliche Vergiftung von Schlachtvieh nicht nachgewiesen werden konnte.

Frager: Und wer kümmert sich um die arbeitslos gewordenen Landarbeiter?

Funktionär: Durch die kluge Wirtschaftspolitik der Regierung besteht ein großer Facharbeitermangel, abgesehen davon, dass die Arbeitslosenzahl in der Bundesrepublik auf dem niedrigsten Stand seit...