Kaum eine Errungenschaft der Moderne fasziniert das Volk dermaßen wie ein Solarmodul . Lautlos erzeugen die Dinger aus Sonnenlicht Strom, vollkommen ohne Probleme, wie es scheint. Mehr als 700.000 solcher Solaranlagen sind auf deutschen Hausdächern montiert. Doch der Siegeszug hat einen hohen Preis und fordert die Politiker, die für die Förderung der Anlagen zuständig sind, immer aufs Neue heraus. Der Streit um die Solarmilliarden ist fast so alt wie die Solarförderung selbst.

Was sich dieser Tage in der Solarszene abspielt, ist deshalb verblüffend, jedenfalls auf den ersten Blick. Zum ersten Mal in ihrer erst kurzen Geschichte signalisiert die Lobby selbst, also der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW), Einverständnis mit einer vorgezogenen Senkung der Förderung . Nachdem auch die Solarfans in der Unionsfraktion, etwa der CSU-Abgeordnete Josef Göppel, ihr Okay gegeben hatten, konnte der zuständige Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) seine Pläne preisgeben, ohne fürchten zu müssen, im Superwahljahr 2011 als Solarfeind beschimpft zu werden. Selbst die Grünen hatten vor Kurzem wissen lassen, dass es in der Branche "Luft für Senkungen" gebe.

Das Ausmaß der Kürzungen hängt davon ab, wie viele Solaranlagen in der Zeit von März bis Mai montiert werden. Übersteigt der auf das Gesamtjahr hochgerechnete Leistungszuwachs 3500 Megawatt, soll die gesetzlich garantierte Einspeisevergütung von Juli an um drei Prozent sinken. Jeder weitere Zubau um 1000 Megawatt soll weitere drei Prozentpunkte kosten. Hinzu kommt zum Jahreswechsel die ohnehin vorgesehene Kürzung um neun Prozent.

Der komplizierte Mechanismus der Vergütungsabsenkung in den Drei-Prozentpunkte-Schritten war nach geltendem Recht erst für das Jahr 2012 vorgesehen. Dass er nun vorgezogen werden soll, ist auf den sensationellen Erfolg der Photovoltaik im vergangenen Jahr zurückzuführen. Obwohl die Einspeisevergütung, die per Umlage auf sämtliche Stromverbraucher verteilt wird, schon im vergangenen Jahr drei Mal gesenkt worden ist, sind noch nie und nirgendwo so viele Solaranlagen errichtet worden wie 2010 im eher schattigen Deutschland: rund 8000 Megawatt.

Der einzige Grund für den Solarboom sind allerdings die nach wie vor verlockenden Einnahmen, die der Staat Investoren zulasten aller Stromverbraucher zwei Jahrzehnte lang garantiert: Für den Strom aus einer Ende 2010 ans Netz gegangenen typischen Dachanlage sind es 33 Cent pro Kilowattstunde. Der von den Centbeträgen ausgehende Investitionsanreiz ist dermaßen groß, dass die Solarförderung inzwischen aus dem Ruder gelaufen ist: Die Photovoltaik beanspruchte 2010 rund 40 Prozent der gesamten Ökostromförderung, lieferte aber nur zwölf Prozent allen Ökostroms. Dass die vom Verbraucher zu zahlende Umlage für den Grünstrom Anfang 2011 von zwei auf rund 3,5 Cent pro Kilowattstunde stieg, liegt primär am Sonnenstrom.