Für die Ökobranche hätte sich der Dioxinskandal keinen passenderen Zeitpunkt aussuchen können: pünktlich zur Grünen Woche . Das ist eine der größten Verbraucher- und Agrarmessen der Welt. Vor ihren Toren demonstrierten am vergangenen Wochenende Tausende gegen Tierfabriken und Dumping-Exporte. Der alte Streit zwischen Biobauern und konventionellen Landwirten hat neue Nahrung erhalten. Wie geht es weiter mit der deutschen Agrarwirtschaft ?

Während die Vertreter der herkömmlichen Landwirtschaft immer wieder betonen, dass es sich beim jüngsten Skandal um einen kriminellen Einzelfall handelt, üben die Anhänger der Ökobewegung fundamentale Kritik am gesamten System.

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Dabei droht allerdings unterzugehen, dass eine natur- und artgerechte Landwirtschaft zum Nutzen aller zwar notwendig ist. Aber selbst wenn die Agrarwende sofort ausgerufen würde, bliebe uns das Dioxinproblem erhalten. Das hat unter anderem den simplen Grund, dass sich eine Umstellung über Jahre hinziehen wird – und Dioxin selbst vor Ökobetrieben nicht haltmacht.

Die Vertreter der alternativen Bauern-, Umwelt- und Entwicklungsverbände sehen dennoch in der "industriellen Massentierhaltung" den eigentlichen Grund für die wiederkehrenden Skandale mit Stoffen, die einfach nicht ins Essen gehören. Ihr wesentliches Argument: Wer massenhaft billiges Fleisch für Supermärkte und den Export ins Ausland fördere, der erhöhe auch das Risiko, dass auf die billigsten Futtermittelzutaten zurückgegriffen werde.

Tatsächlich ist nicht zu bestreiten, dass im rabiaten Wettbewerb auf dem Lebensmittelmarkt auch der Anreiz wächst, möglichst billige Rohstoffe einzukaufen. Und da Fette für die industrielle Verwendung nun mal bedeutend günstiger zu haben sind als Fette, die in die Futtermittel dürfen, ist die Versuchung groß, billiges und belastetes Fett mit sauberem zu vermischen und zu strecken.

Ob das aber in diesem Fall wirklich so war, prüft noch immer die Staatsanwaltschaft. Fest steht bislang nur, dass kontaminiertes Fett in den Handel gelangte. Aber auf welche Weise genau die extrem giftige Substanz ins Futter geriet, ist noch nicht geklärt. Ebenso wenig konnte bislang nachgewiesen werden, ob das aus Versehen oder in böser Absicht geschah. Nun mögen derlei Details all jene nicht interessieren, die nur das Große und Ganze im Auge haben. Gleichwohl sind sie wichtig, um beurteilen zu können, welche Regelungen getroffen werden müssen, um künftig solche Skandale zu verhindern.

Auch wenn noch vieles im Dunkeln liegt, lässt sich so viel schon sagen: Der Aktionsplan von Verbraucherministerin Ilse Aigner , der vor allem mehr Kontrollen und strengere Meldepflichten vorsieht, taugt grundsätzlich dazu, mehr Sicherheit für Lebensmittel zu erreichen. Allerdings bleibt abzuwarten, was von ihren Vorschlägen übrig bleibt, wenn erst alle Abstimmungen und Anhörungen – auch innerhalb der Europäischen Union – gelaufen sind.