DIE ZEIT: Herr Grübel, wie viel haben Sie Ihrem Gesicht zu verdanken?

Oswald Grübel: Dem habe ich viel zu verdanken. Ich glaube nicht, dass man mir den Job bei der UBS offeriert oder, was der Wahrheit näher kommt, mich in diesen Job hineingeredet hätte – wenn ich nicht vorher Erfolg bei der Credit Suisse gehabt hätte.

ZEIT: Nein, ich meine tatsächlich Ihre Physiognomie. Sie sehen aus wie ein Fürst der Finsternis. Ist das in Ihrer Branche karrierefördernd?

Grübel: Mein Gott! Da muss ich mal meine Frau fragen, ob Sie Ihnen zustimmt. Immerhin, sehr viele Kunden, Kollegen und Mitarbeiter, die ich in meinem Leben getroffen habe, vertrauen mir sehr schnell. Also muss es auch ein vertrauenerweckendes Gesicht sein.

ZEIT: Es gibt da einen Widerspruch. Sie haben einerseits das Image eines brutalen Menschen, der Tausende von Menschen entlässt, andererseits hört man tatsächlich, dass Sie innerhalb der Bank Vertrauen genießen.

Grübel: Ich glaube nicht, dass man mich für brutal hält, allenfalls für hart. Und der Widerspruch ist nur ein scheinbarer. Mitarbeiter suchen jemanden, der sie versteht, der sie führen kann, der das Geschäft versteht. Dann tragen sie auch harte Entscheidungen mit. Man weiß zudem, dass jede Firma mindestens zehn Prozent zu viele Stellen hat und Angestellte, die nicht unbedingt dem Anforderungsprofil entsprechen. Das ist auch Ausdruck der Unfähigkeit der Manager.

ZEIT: Wie wissen Sie, ob sie gut sind?

Grübel: Diejenigen, die von sich behaupten, sie seien gut, sind meistens nicht lange da.

ZEIT: Das heißt, Sie haben ständige Zweifel an Ihrer eigenen Kompetenz?

Grübel: Absolut. Aber ich versuche jeden Tag, das Beste zu machen, und rege mich sehr über meine eigenen Fehler auf, ich schreie auch mal.

ZEIT: Was war Ihr schlimmster Fehler?

Grübel: Oh, das waren so viele. Aber ich hoffe, ich habe daraus gelernt. Die meisten Fehler machen wir auf der Managementebene bei der Einstellung von Leuten. Das können dann die wenigsten Manager zugeben , auch wenn es dem Unternehmen und dem Ansehen des Managers schadet. Ich habe keine Hemmungen, den Fehler zu korrigieren.

ZEIT: Was ist das eigentlich, der Markt?

Grübel: Wie soll ich Ihnen das erklären? Wenn die Preise am höchsten sind, gibt es die meisten Käufer. Wenn die Aktienindizes am tiefsten sind, gibt es am meisten Verkäufer. Das muss man als einzelner, erfolgreicher Händler erkennen und gegen die Mehrheit antreten und handeln. Wer das nicht kapiert hat, wird nie Geld verdienen.

ZEIT: Der gewöhnliche Banker ist ein Herdentier. Aber nur der kann gewinnen, der sich dem Mainstream entzieht.

Grübel: Man muss rechtzeitig vor dem Umkehrpunkt aussteigen, dann, wenn die Leute bullish werden. Wenn es jeder weiß, ist es zu spät.