Powerfrau: Tue Gutes und rede darüber! Marion Knaths erklärt, wie der eigene Name mit Erfolg verknüpft werden kann

Was Luchs, Seeadler und Feldhase in der Natur sind, ist die Wahrheit im Geschäftsleben : eine aussterbende Gattung. Schlechte Quartalszahlen werden wie Mofas frisiert, um an den Börsen knatternd Lärm zu machen. Langweilige Bausparverträge bläst die Werbung zu Eintrittskarten für ein Millionärsleben auf, mit Haus, Auto, Boot. Und was die Firmen in ihren Visionen am lautesten preisen, vermissen die Mitarbeiter im Alltag am schmerzlichsten.

Lohnt es sich da, der Wahrheit selbst noch zu dienen? Oder lässt sich eine Karriere besser als Lügengebäude errichten? Sollten Sie sich zum Beispiel mit Erfolgen schmücken, die Ihrem Kollegen zu verdanken sind, sich als "Freund" eines Branchen-Promis bezeichnen, auch wenn es nur eine Facebook-"Freundschaft" ist, oder sich Leistungen in der letzten Firma nachsagen ("Umsatzvolumen verdoppelt!"), die in der Realität nur halb so groß waren?

Jede Woche gibt der Coach Martin Wehrle Tipps für den Erfolg im Job in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn"

Sicher, viele Karrieristen sind wie Münchhausen auf der Kanonenkugel in ihre Positionen geritten. Aber wie lange halten sie sich dort? Eine Karriere, die auf Schwindeleien baut, gleicht dem von Martin Luther beschriebenen Schneeball – die Lügen türmen sich auf bis zur Lawine. Zum Beispiel kenne ich einen Vertriebsmitarbeiter, der sich im Vorstellungsgespräch als Goldkehlchen seiner alten Firma beschrieben hatte, als Umsatzkönig.

Auf dieser Basis wurde er eingestellt. Doch dann – der Schneeball wuchs – musste er Details über seine vergangenen Erfolge erzählen. Vor allem erwartete man ähnliche Großtaten am neuen Arbeitsplatz. Er begann, seine Zahlen zu frisieren. Erst ein wenig. Dann ein wenig mehr.

Mit diesen Tricks schwindelte er sich durchs erste Jahr. Doch nach 18 Monaten riss ihn seine eigene Lügenlawine in den Abgrund; eine zufällige Begegnung zwischen seinem aktuellen Geschäftsführer und seinem ehemaligen Vorgesetzten war der Auslöser – in Wirklichkeit hatte er in seiner Exfirma lediglich als Spesengeier gegolten.

Natürlich ist es legitim und für den Berufserfolg notwendig, Gutes zu tun und darüber zu reden, die eigenen Leistungen zu polieren und sie geschickt auszuleuchten. Professionelle Selbst-PR zaubert aus dem Hut, was tatsächlich drin ist, aber mit einem großen Tusch und Lichteffekt. Die Lüge dagegen handelt mit heißer Luft. Wer zum Münchhausen mutiert, dem sind im Job zwar Höhenflüge gewiss, auf Dauer aber in die falsche Richtung – im hohen Bogen zur Firma hinaus.