Wenn es einen Ort gibt, an dem ich hochhalte, was mir heilig ist, dann ist es die Dresdner Frauenkirche. Gerade in diesem von so manchen als wenig heilig wahrgenommenen Gotteshaus. Zwei Millionen Menschen kommen jährlich unter die Kuppel; Barack Obama und die dänische Königin eingeschlossen. Die Kirche zählt zu den bekanntesten Gebäuden Deutschlands. Tagtäglich sind ihre sieben Türen geöffnet. Einen siebten Tag, einen Ruhetag, gibt es nicht. Dafür mehrere Gottesdienste am Sonntag, eine reiche Kirchenmusik, täglich Andachten, verbunden mit einer Erläuterung der Kirche.

Die Herausforderungen sind groß. Sie wechseln täglich. Jüngstes Beispiel ist die Frage, ob eine Gedenktafel an der Frauenkirche Zustimmung finden würde, die an die Rede von Kanzler Helmut Kohl am 19. Dezember 1989 vor der Ruine der Frauenkirche erinnert. Die Antwort ist klar. Die Frauenkirche ist ein Gotteshaus. Hier wird Gott geehrt.

Auch wenn es nichts gibt, was es nicht gibt in dieser Kirche. Nichts Menschliches ist ihr fremd oder erspart geblieben. Es wird gelacht, geliebt und geweint. Es wird getrauert, selbst gestorben wurde. Dass hier einmal neues Leben das Licht der Welt erblickt, ist nicht ausgeschlossen, aber bislang nur dieser wiedererrichteten Kirche selbst vorbehalten geblieben.

Lässt sich an einem so bewegenden und beanspruchten Ort leben, was heilig ist? Wer in der Frauenkirche zuerst ein Konzerthaus sieht, wird das Heilige nicht suchen. Aber finden soll er es. Alle Musik erklingt zur Ehre Gottes. Damit wir das nicht vergessen, ist es über der Orgel groß geschrieben: SDG – Soli Deo Gloria . Allein Gott die Ehre!

Steht dieser Hinweis über allem, damit das Heilige nicht doch auf dem Altar des Profanen geopfert wird? Die Versuchung ist groß und immer sehr konkret. Ist es richtig, für die Fernsehaufzeichnung einer Passionsmusik im Advent den Adventsstern in der Kirche abzunehmen? Wie viele Fotos von Touristen vertragen sich mit dem Heiligen in der Kirche? Spreche ich den gut situierten älteren Herrn an, der mitten in der Kirche seinen Hut auf dem Kopf trägt? Selbstverständlich ja! In der Kirche ziehen wir den Hut. Um Gott allein die Ehre zu geben. Und vor der Kirche? Dort ist genug Platz, zu würdigen, was Menschen geleistet haben. Gut, dass Martin Luther bereits sein Denkmal an dieser Stelle hat. Von ihm habe ich gelernt, hochzuhalten, dass Gott allein heilig ist.

Sebastian Feydt, 45, ist seit 2007 der erste Pfarrer der Frauenkirche Dresden und einer ihrer Geschäftsführer