Die Frage: Diana und Heinz sind jetzt zwei Jahre ein Paar mit Höhen und Tiefen. Sie wohnen nicht zusammen, sind beide geschieden, haben beide Kinder und sind beruflich gefordert. So bleiben ihnen nur die Wochenenden, um zusammen zu sein. Normalerweise besucht Diana Heinz zu Hause ; er wohnt praktischerweise auf dem Weg zwischen ihrem Büro und ihrer Wohnung.

Aber im Winter möchte sie, dass auch er einmal zu ihr kommt. Heinz sieht das ein und verbringt das nächste Wochenende in Dianas Wohnung. Am Montag ist sie total erschöpft, sie konnte sich überhaupt nicht erholen. Sie hatte das Gefühl, solange Heinz bei ihr herumsitze, seien ihre Räume nicht mehr ihr Zuhause. Dabei hat er ihr gar nichts getan. Diana ist verunsichert. Stimmen die Gefühlen zu ihrem Partner nicht?

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Dianas Anspannung, wenn Heinz in ihrer Wohnung übernachtet, spricht für eine Angst, sich in seiner Gegenwart gehen zu lassen, die ihr nicht bewusst wird, wenn sie bei ihm übernachtet oder mit ihm Urlaub macht. Heinz ist ihr nicht so vertraut, dass sie mit ihm ein Wochenende so schlumpfig abhängen kann, wie ihr das allein möglich wäre: im alten Pulli ungeschminkt mit einem Teller Nudeln vor der Glotze, beispielsweise.

Sie muss die Gastgeberin spielen, obwohl sie eigentlich keine Lust hat. So steht sie vor der anstrengenden seelischen Aufgabe, den Wunsch zu kontrollieren, einen geliebten Mann als Störenfried an die Luft zu setzen. Er macht sie nervös. Aber sie kann sich das nicht eingestehen, weil sie sich schämt, ihre Fassade als perfekte Geliebte aufzugeben.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Die Fragen seiner Kolumne werden in seinem Buch "Paartherapie: Konflikte verstehen, Lösungen finden" vertieft, das beim Gütersloher Verlagshaus erschienen ist.

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