Ein Labyrinth aus Kopfsteinpflastergassen. Schmucke Patrizierhäuser, stolze Gründerzeitbauten, malerische Plätze – fast alles perfekt renoviert. In Maastrichts Pracht fällt es nicht schwer, sich zu verlaufen. Zwischen Galerien und Kaffeehäusern im Jugendstil haben sich elegante Modegeschäfte eingenistet – und immer kommen einem die Auslagen eine Spur ausgefallener vor als gewohnt. Samstags ist die Stadt überlaufen von shoppingwütigen Touristenschwärmen – da, sagen Einheimische, gehen sie nur im Notfall vor die Tür.

Im luxuriösen Kruisherenhotel , früher ein gotisches Kloster, hat es sich in der Ledersessellounge des Kirchenschiffs ein Ehepaar aus Münster bequem gemacht. »Man kann das Leben hier sehr genießen«, sagt der Mann, der sich in Maastricht um die europäische Pannen-Hotline von Mercedes kümmert. Nach Champagner haben sie gefragt, den Abend dann aber auf Empfehlung des Kellners mit einem Kelch Fromberger begonnen, niederländischem Sekt, kreiert nebenan in Ubachsberg. »Sehr angenehm moussierend, champagnerhaft fein, einfach köstlich«, sagt die Frau, »traut man den Holländern gar nicht zu.«

Acht Euro kostet das Glas. Zum gleichen Preis gibt es um die Ecke eine andere lokale Spezialität: Schwarzen Afghanen, ein Gramm, der Hasch-Klassiker. Vor dem Mississippi, einem der 14 Maastrichter Coffeeshops, untergebracht auf einem betagten Maasdampfer, fahren gerade im Konvoi drei belgische Kleinwagen mit je vier gut gelaunten Jungmännern vor. »Was kaufen, rauchen, Spaß haben«, sagen sie und gehen über die Gangway an Bord.

Ein französisches Pärchen verlässt den Shop, etwas Gras und zwei Päckchen »High Quality Joint« im Gepäck. 1,5 Millionen Drogentouristen kommen offiziell pro Jahr, davon mindestens 70 Prozent aus dem Ausland, Tendenz steigend. Die südlichste und älteste Stadt der Niederlande ist wegen ihrer Grenzlage zu Belgien und der Nähe zum Rheinland zur Kifferstadt schlechthin geworden.

Ob das Touristenbüro diese Besonderheit anpreist? In der VVV im Kellergewölbe des mittelalterlichen Dinghuis mitten in der Fußgängerzone sind alle Attraktionen beworben: die Weinberge und Grotten, die römischen Befestigungsanlagen, das eichelförmige Bonnefantenmuseum (Architekt: Aldo Rossi), die Dinoskelette der »Maastrichter Bestie« im Naturkundemuseum. »Haben Sie vielleicht auch eine Liste der Coffeeshops?« – »Liste? Nein, die Coffeeshops sind doch überall«, erklärt eine junge Angestellte irritiert, als habe man nach einem amtlichen Kataster der Frittenbuden gefragt. Auf einem Stadtplan zeigt sie die nächsten drei Lokalitäten und weist freundlich den Weg. »Da werden Sie bestimmt etwas bekommen.«