Nächste Woche erhält Spaniens Ministerpräsident Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), und um sein Land aus der Defensive zu bringen, greift José Luis Rodríguez Zapatero zu einschneidenden Maßnahmen: Per Dekret wird er Spaniens Sparkassen verpflichten, sich in Banken umzuwandeln, die für private Investoren offen sind. Besonders schwachen Instituten, für die sich kein Investor interessieren dürfte, steht die Teilverstaatlichung bevor.

Spaniens Regierung gibt den Geldhäusern des Landes acht Monate Zeit, um ihre Quote an Kernkapital – die sicherste, strikteste Form von Eigenkapital – auf mindestens acht Prozent aufzustocken. Für Institute, die nicht an der Börse notiert sind, unter ihnen die Sparkassen, soll die Quote höher sein. Jene, die es nicht schaffen, die Bedingungen mithilfe privater Investoren zu erfüllen, erhalten die Mittel vom Bankenrettungsfonds FROB.

Bisher nehmen lediglich die Großbanken Santander und BBVA sowie die Sparkasse La Caixa die Hürde. Selbst die größte spanische Sparkasse, die aus der Fusion der Caja Madrid, der Bancaja aus Valencia und mehrerer kleiner Sparkassen entstandene Banco de Financiero y de Ahorro unter Führung des ehemaligen IWF-Chefs Rodrigo Rato, erreicht derzeit nur eine Kernkapitalquote von knapp sieben Prozent und brauchte schätzungsweise 3,5 Milliarden Euro frisches Kapital.

Mehr als zehn Jahre lang finanzierten insbesondere die Sparkassen eine spanische Immobilienblase . Und so stehen nun mehr als die Hälfte der geschätzt 180 Milliarden Euro fauler Darlehen in den Büchern der Cajas. Die Zentralbank in Madrid hatte deshalb bereits vor zwei Jahren Alarm geschlagen und insgesamt 99 Milliarden Euro an Hilfsgeldern in Aussicht gestellt, um die 45 Institute zu Fusionen zu bewegen. Die Umwandlung in eine Bank und ihr Börsengang sollten möglich sein, aber nicht obligatorisch. Doch erst ein Ultimatum der Zentralbank bewegte die Regionalfürsten Ende 2010, sich zu 17 neuen Sparkassen zusammenzuschließen. Dieser Schritt reichte aber längst nicht zur Rettung, und so greift Zapatero nun durch. Die Sorge ist, dass die Sparkassen Spanien in den Abgrund reißen , ähnlich wie Dublins Banken Irland unter Wasser zogen . Dann müsste Spanien wohl, ähnlich wie Irland, unter den Rettungsschirm der EU schlüpfen. Ein Albtraum – die viertgrößte Wirtschaftsmacht des Euro-Raums könnte für ihn ein zu großer Brocken sein.

Wirtschaftsministerin Elena Salgado sprach am Montag von maximal 20 Milliarden Euro, die die Institute benötigen. Andere Schätzungen reichen bis zu 120 Milliarden Euro. Auch die Überzeugung der Regierung, das Kapital könnte gänzlich durch private Investoren aufgebracht werden, stufen Experten kühl als "Wunschdenken" ein. Die Reform könne zwar die Kreditwürdigkeit Spaniens verbessern, urteilte die Rating-Agentur Moody’s am Montag. Ihr Bankenanalyst Alberto Postigo schränkt jedoch ein: "Im Augenblick wissen wir von keinem einzigen Privatinvestor." Luis de Guindos, Finanzprofessor an der Madrider IE Business School, glaubt sogar, dass es dafür viel zu früh ist. "Die Sparkassen müssen mit frischem Kapital ausgestattet werden, ihre Restrukturierung abschließen, effizienter und rentabler werden. Erst dann besteht die Möglichkeit, dass private Investoren einsteigen."

Die Rating-Agentur Fitch will die Bonitätsnote für spanische Staatsanleihen erneut herabstufen, sollte die Finanzbranche mehr als 60 Milliarden Euro aus der Staatskasse brauchen. In den vergangenen Monaten musste Spanien bereits hohe Risikoaufschläge bezahlen, eine weitere Herabstufung würde sie noch höher treiben und die Staatsverschuldung weiter steigen lassen. Zapatero bleibt nur dieser eine Befreiungsschlag. Das Ende der Sparkassen nimmt er daher in Kauf.