Wenige Männer seien derart anziehend gewesen, hieß es von dem "vollendeten Stutzer" mit dem unwiderstehlichen Charme. Stets äußerst elegant im Auftreten, war ihm alles Gravitätische fern, er war ungezwungen und höflich, ein bissiger Spötter und doch voll Respekt vor gültigen Werten, sprach gern im Ton der Gassenjungen und blieb immer der Großbürger, der er der Herkunft nach war. Mit ihm konnte man lachen. Das war schon in der Schule so, wo er übermütig die Lehrer karikierte und durch schlechte Leistungen und ungehöriges Betragen glänzte. Eine Beamtenkarriere in den Fußstapfen des Vaters war bei den Zeugnissen ausgeschlossen. Er wollte zur See, fiel aber durch die Aufnahmeprüfung der Marineakademie. Als Vorbereitung für die Wiederholung fuhr er ein halbes Jahr auf einem Schiff durch die Welt – und änderte seine Pläne. Hatte er seine Berufung erkannt? Wurde ihm klar, dass er die Frauen mehr liebte als das Meer? Entschied er damals schon, dass es "nicht möglich ist, woanders zu leben" als in der Stadt, die sein Universum wurde?

Er rang dem Vater eine Ausbildung ab, der er sehr eigenwillig nachging. Bereits nach einem halben Jahr war er mit seinem Lehrer verkracht. Inzwischen hatte er die Klavierlehrerin seiner Brüder zu seiner Geliebten gemacht und lebte heimlich mit ihr und ihrem Sohn zusammen, der ihn sein Leben lang seinen "Paten" nannte. Geheiratet hat er sie erst nach dem Tod seines Vaters. Ansonsten führte er ein überaus geselliges Leben mit einer schillernden Schar von Freunden und Freundinnen und frönte mit ihnen der Lust an geistreicher Konversation. Theoretische Debatten waren seine Sache nicht. In Cafés, Theatern und überall, wo etwas los war, versuchte er das Wunderbare im Alltäglichen zu entdecken und es von aller sakralen, idealen und mythologischen Überhöhung zu befreien. So wurde in seinen Augen das Leben lebendiger und bedeutsamer.

In seiner Arbeit war er Einzelgänger. Eigensinnig, aber unsicher und voller Selbstzweifel, brauchte er lange, bis er seinen eigenen Stil fand. Als er dann mit seinen Werken an die Öffentlichkeit ging, traf er auf Verständnislosigkeit, Hohn und Spott. Er forderte einen Kritiker zum Duell, machte aber unbeirrt weiter. Seine Werke lösten Skandale aus, er wurde berühmt. "Ich habe nur gemacht, was ich gesehen habe", beharrte der "Bürgerschreck". Damit auch andere es sehen und sich ihr eigenes Bild machen konnten, verschickte er Einladungen mit seinem Wahlspruch "Bleib bei der Wahrheit und lass sie reden". Jüngere Kollegen erkannten den Erneuerer in ihm, bei aller engen persönlichen Freundschaft war er jedoch nie einer von ihnen. Trotzdem galten sie als "seine Bande", bevor ein zunächst boshaft gemeinter Sammelbegriff sie in eine gemeinsame Schublade steckte. Erfolg und Anerkennung kamen erst nach seinem frühen Tod. Betroffen sprach ein Freund es bei der Beerdigung aus: "Er war größer, als wir alle dachten." Wer war’s?

Lösung aus Nr. 4:
Lady Gaga (*28. März 1986), eigentlich Stefani Joanne Angelina Germanotta, wuchs in New York in einer großbürgerlichen Familie mit italienischen Wurzeln auf und beschloss schon als Mädchen, weltberühmt zu werden. Anfangs trat sie – damals noch schwarzhaarig – in kleinen Clubs auf und schrieb Songs für andere. Inspiriert von Andy Warhol, David Bowie, Madonna, Queen und anderen Ikonen der Popkultur, begann sie sich 2008 als blondiertes Gesamtkunstwerk zu inszenieren. Mit spektakulären Outfits und Songs wie "Just Dance" und "Pokerface" gelang ihr 2008 der Durchbruch, derzeit gilt sie als die erfolgreichste Musikkünstlerin weltweit