DIE ZEIT: Warum sind Sie ökologisch gesehen ein Vorbild?

Michael Otto: Ob ich ein Vorbild bin, müssen andere beurteilen. Aber ich habe sehr früh damit begonnen, mir Gedanken zu machen, wie wir etwas tun können, um die Umwelt auch für zukünftige Generationen lebenswert zu erhalten. Den Anstoß habe ich 1972 mit dem ersten Bericht des Club of Rome bekommen, Grenzen des Wachstums. Mir wurde bewusst, dass wir begrenzte Ressourcen haben und gegen die Wand fahren werden, wenn wir so weiterwirtschaften.

DIE ZEIT: Was haben Sie vor einem Jahr anders gemacht?

Otto: Meine Frau und ich haben vor Kurzem neu gebaut und haben unser Dach mit Solarzellen ausgestattet , über die wir unsere Energie beziehen, und wir haben das Haus ordentlich wärmegedämmt.

DIE ZEIT: Welches Umweltverhalten in Ihrem Bekanntenkreis lehnen Sie ab, und wie lässt es sich ändern?

Otto: Ich finde es bedauerlich, wenn sich jemand überhaupt keine Gedanken über die Auswirkungen seines persönlichen Lebensstils macht. Das gilt zum Beispiel für die Ernährung. Ich spreche das dann auch an und frage im Restaurant etwa: "Ist das ein Fisch mit MSC- ( Marine Stewardship Council)-Siegel aus nachhaltigem Fischfang?"

DIE ZEIT: Was macht Sie allgemein besonders zufrieden? Und steht das in Konflikt mit einem nachhaltigem Leben?

Otto: Als Unternehmer freue ich mich unter anderem, wenn sich die Unternehmensgruppe gut entwickelt. Aber das steht nicht im Gegensatz zur Umwelt. Wir sparen hier im Unternehmen Energie und CO 2 ein und überarbeiten laufend unsere Sortimente. Beispiel Textil: Wir produzieren unser gesamtes Sortiment inzwischen umweltfreundlich und damit hautverträglich.

DIE ZEIT: Sind Sie bereit, der Umwelt zuliebe weniger Umsatz und Gewinn hinzunehmen?

Otto: Durchaus, so haben wir Anfang der neunziger Jahre alle Echtpelze aus dem Sortiment genommen. Am schönsten aber sind Win-win-Situationen: Als wir unseren Transport von Luft- auf Schifffahrt umstellten, sparten wir nicht nur CO 2 , sondern auch Geld.