Seit je ist die Meuterei, die nach erfolgtem Zusammenrotten von Seemännern begangene Gehorsamsverweigerung, ein prachtvolles Sujet von Filmen und Literatur. Grund hierfür ist, dass allen Meutereien – wir wollen nur die weithin bekannten auf der Batavia, der Bounty, auf dem Panzerkreuzer Potemkin, auf der Storoschewoi nennen – eine allegorische Qualität eigen ist: Jede Meuterei versinnbildlicht en miniature das Staatswesen zum Zeitpunkt seines Niedergangs. Noch ist ungewiss, von welcher Gesinnung das Volk ist, das sich im Wahnsinn der Freiheit über den Befehlshaber hinwegsetzte, ob es zum Tanz der Demokratie anhebt oder zur Selbstzerfleischung neigt. Es soll vorgekommen sein, dass die Meuterer grässlich bestraft wurden und dergestalt dem Ancien Régime zu neuer Frische verhalfen.

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