ZEIT: Immerhin haben Sie nun einen Hamburger Strafverteidiger beauftragt, der prüfen soll, ob sich die Journalisten durch die zahlreichen Interviewanfragen der Nötigung schuldig gemacht haben. Ist das nicht maßlos übertrieben?

Maschmeyer: Was Sie als Aufgabe von Herrn Strate beschreiben, ist so nicht richtig. In den über 20 Jahren, in denen ich mit Medien Erfahrung gesammelt habe, hatte ich immer das Gefühl, es wird ausgewogen berichtet. Da wurden Konkurrenten, Mitarbeiter oder Kunden befragt, aber man hat mir immer die Möglichkeit gegeben, nachzuprüfen und etwas dazu zu sagen. In keinem Fall war es so, dass mir ein Journalist monatelang nachgestellt hat. Ja, ich habe mich verfolgt gefühlt.

ZEIT: Wo denn?

Maschmeyer: Man hat nicht nur mein Privathaus gefilmt, sondern auch Bekannte, Freunde, Mitarbeiter und andere Unbeteiligte.

ZEIT: Viel Neues kam in der Dokumentation nicht heraus. Warum regen Sie sich so auf?

Maschmeyer: Es konnte ja nichts Neues rauskommen, weil es nichts gibt. Es bleibt deswegen erstaunlich, dass ein Journalist so eifrig einen Beitrag ins Programm bringt über Fälle, die 15 Jahre alt sind, und dem ehemaligen Chef nachstellt. Die Motive kann ich nicht nachvollziehen.

ZEIT: Sie feiern mit dem Exkanzler Gerhard Schröder Geburtstag, machen mit dem amtierenden Bundespräsidenten Urlaub und haben mit Bert Rürup, dem Exchef des Sachverständigenrats, eine Beratungsfirma gegründet. Können Sie verstehen, dass manche Sie für einen geschäftstüchtigen Kraken im politischen Netzwerk halten?

Maschmeyer: Können Sie sich vorstellen, dass man sich in einer sehr überschaubaren Stadt wie Hannover, in der man seit Jahrzehnten wohnt und arbeitet, gut kennt und gesellschaftlich miteinander verkehrt, ohne ein "geschäftstüchtiger Krake im politischen Netzwerk" zu sein? Vor allem wird man bei näherer Betrachtung sehen, dass meine geschäftlichen Aktivitäten in keiner Weise davon profitiert haben. Diese Klischees werden zum Glück von viel mehr Menschen durchschaut, als man denkt.

ZEIT: Wenn jemand wie Sie Millionen Euro mit einer Firma verdient hat, die im Ruf steht, vor allem mit Drückermethoden und auf Kosten der Anleger dieses Geld gewonnen haben, sollten Journalisten dem nicht nachgehen dürfen?

Maschmeyer: Selbstverständlich sollen Journalisten dem nachgehen. Aber nicht mit einer These, die man nur bestätigt sehen möchte, ohne auch die zwei Millionen Kunden zu erwähnen, die ihre Finanzsituation verbessert haben. Die Zahl der unzufriedenen Kunden, von denen ich jeden Einzelfall bedaure, bewegt sich wie in der ganzen Branche im Promillebereich. Die Tatsache hätte aber nicht zu der Story gepasst.

ZEIT: Vermuten Sie eine Verschwörung?

Maschmeyer: Nein, keine Verschwörung. Ich glaube, dass es sich hier um den Einzelfall eines übereifrigen Journalisten handelt.

ZEIT: Den Film haben fast vier Millionen Menschen gesehen. Gucken die Leute auf der Straße Sie seitdem anders an?

Maschmeyer: Nein, davon hab ich nichts bemerkt. Ich mache mir da auch nicht so viel Gedanken, da man ohnehin viel lieber auf meine Lebensgefährtin schaut.

ZEIT: Würden Sie dem NDR denn nun doch noch mal ein Interview geben?

Maschmeyer: Im Moment haben wir Kommunikationsprobleme auf beiden Seiten. Aber ich habe fest vor, mich in meiner offenen Art gegenüber den Medien nicht zu ändern.

Die Fragen stellte Anna Marohn