Bis zu den Göttinger Spieletagen 2009. Dort zeigte Blum nicht nur neue Entwürfe, er bewarb sich auch für das Spieleautorenstipendium, das der Verein Spiel des Jahres jährlich vergibt. Seit 1995 gibt es diese Fortbildung, die Nachwuchsautoren helfen soll, die Branche kennenzulernen. Der Stipendiat absolviert insgesamt vier Wochen lang verschiedene Praktika in großen und kleinen Verlagen, in der Werkstatt eines erfahrenen Autors und im Fachhandel. Voraussetzung für das Programm ist, dass der Autor noch kein Spiel veröffentlicht hat und mit der Bewerbung zwei eigene Spielkonzepte einreicht.

Blum reichte ein neues Kartenspiel ein. Doch er brauchte noch ein zweites Konzept. So holte er seine Weinwelt nach zwei Jahren wieder aus dem Keller. "Mit dem zeitlichen Abstand habe ich erkannt, wo es hakt, und konnte die Struktur noch einmal überarbeiten."

Er bekam das Stipendium. Und gleichzeitig konnte er erneut mehrere Verlage für Grand Cru interessieren. Dieses Mal klappte es. Der kleine Verlag Eggertspiele kaufte die Idee. Im Oktober 2010 kam Blums erstes Spiel auf den Markt.

Rund 1000 neue Spiele werden in Deutschland jedes Jahr fertiggestellt – das klingt erst einmal viel. Wirklich marktrelevant sei aber nur ein kleiner Teil davon, sagt der Spieleredakteur Lothar Hemme. Viele Spiele schaffen es nie in die großen Handelsketten, wo hohe Verkaufszahlen erzielt werden, weil sie zu kleine Auflagen haben. "Und oft sind die Regeln sehr komplex und nur etwas für Vielspieler." Wie bei Grand Cru: Laienspieler brauchen hier mehrere Abende, um den komplexen Spielaufbau mit sämtlichen Zinsausschüttungen und Weinfesten zu verinnerlichen und einigermaßen fließend spielen zu können.

Erfolge wie Die Siedler von Catan , das Klaus Teuber vor 15 Jahren erdacht hat und das inzwischen rund 15 Millionen Mal verkauft wurde, sind selten. "Nur mit einem solchen Verkaufsschlager kann man seine Familie ernähren", sagt Ulrich Blum. Zwischen drei und fünf Prozent des Händlerpreises bekommt ein Autor. Grand Cru kostet im Laden 30 Euro, für den Händler etwa 19 Euro. Ulrich Blum verdient mit jeder verkauften Schachtel knapp einen Euro.

Trotzdem investiert er etwa drei Arbeitstage pro Woche ins Spieleerfinden. "Dazwischen geh ich kochen und schauspielern." Drei Spiele pro Jahr möchte er entwickeln und Verlagen anbieten. Und dann braucht er, was auch zu jedem guten Spiel gehört: ein bisschen Glück.