Nachdem Stefan Raab jahrelang die Erfahrung gemacht hatte, dass er sich bei seiner Sendung Schlag den Raab eigentlich nur selber schlagen konnte, wollte er dieses Prinzip nun auch auf die bislang unschlagbare Lena Meyer-Landrut übertragen.

So überzeugte er die ARD und ProSieben, dass es doch das Beste sei, nach dem sensationellen Erfolg, den die von ihm vermarktete und betreute Lena letztes Jahr europaweit mit ihrem Lied Satellite hatte, 2011 lieber gleich darauf zu verzichten, andere Kandidaten ins Rennen zu schicken. Das wäre in etwa so, wie wenn in der Fußball-Bundesliga dieses Jahr nur Bayern München gegen Bayern München spielen würde, weil sie letztes Jahr doch so überzeugend Meister geworden sind.

Doch Bayern München wie Lena leben nur von der Distinktion. Um ihr So-Sein als Anderssein entfalten zu können, brauchen beide die anderen: Sonst ist es nur ein Soso-Sein.

Das war am Montagabend zu sehen, als Lena in sechs recht verschiedenen Kleidern sechs kaum verschiedene Lieder sang und die Zuschauer zwischen Lena, Lena, Lena, Lena, Lena und Lena wählen konnten. Sie entschieden sich, müde und gelangweilt, für: Lena. Der Titel eines der drei vorläufigen Siegerlieder lautet passenderweise Maybe. Man konnte Lena nicht mehr vergleichen, nicht mit nervenden Retortenbands und nicht mit den Rockröhren und auch nicht mit den Schmachtsängern. Sondern nur mit sich selbst.

Es wurde an diesem Abend deutlich, warum bei Präsidentschaftswahlen in Diktaturen, bei denen der Sieger schon lange vorher feststeht, am Wahltag immer keine rechte Freude aufkommen will.

Am kommenden Montag werden auf ProSieben drei weitere Lieder für Lena ausgewählt. Am Freitag, den 18. Februar küren die Zuschauer den Siegersong in der ARD.