Insgesamt hat das Land Anleihen im Nennwert von rund 234 Milliarden Euro ausstehen. Erwürbe es diese durchschnittlich zu 75 Prozent, könnte es seine Schuldenlast rein rechnerisch um 58,5 Milliarden senken. Die französische Finanzministerin Christine Lagarde ist für die Idee, ebenso Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) . Auch in den Mittelmeerstaaten kommt der Vorschlag an.

Der große Vorteil: Politiker könnten diese Maßnahme ihren kritischen Wählern so verkaufen, dass private Gläubiger erstmals an den Kosten der Krise beteiligt werden. Zugleich aber würden die Gläubiger nicht gezwungen, auf Forderungen zu verzichten. Die Beteiligung an dem Programm bliebe freiwillig. In der EU wird befürchtet, dass echte Zwangsmaßnahmen eine Panik an den Finanzmärkten auslösen würden, die auch gesunde Länder wie Spanien mit in den Abgrund zöge. Und Europas Politiker haben Angst, dass ein staatlich verordneter Schuldenschnitt neue Löcher in die Bilanzen jener Banken reißt, die noch Anleihen zum vollen Wert in ihren Büchern stehen haben.

Doch der Trick mit dem Rückkauf hat einen Haken: Er wird wohl nicht funktionieren. Die Banken, die ihre Bestände nicht abgeschrieben haben – und davon gibt es vor allem in Deutschland und Frankreich einige –, würden auch bei einem freiwilligen Verkauf Verluste realisieren. Sie werden ihre Papiere deshalb kaum zum momentanen Preis hergeben.

Dazu kommt: Den Griechen selbst fehlt das Geld, das für den Rückkauf benötigt wird. Sie müssten es sich also beim europäischen Rettungsfonds leihen – und zwar, damit der Plan aufgeht und nicht nur alte Schulden durch neue ersetzt werden, zu günstigen Konditionen.

In der Diskussion ist, dass Griechenland zusätzlich zu den bereits gewährten 110 Milliarden aus dem ersten Hilfspaket einen Kredit über 50 Milliarden Euro von der EU erhält. Im Gegenzug würde sich die Regierung verpflichten, den eingeschlagenen Sparkurs auch nach Auslaufen des bisherigen Programms von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds fortzusetzen.

Das Problem dabei: Sobald es sich an den Finanzmärkten herumspricht, dass die EU den Rückkauf griechischer Anleihen subventioniert, werden die Kurse dieser Anleihen steigen, weil ja das Pleiterisiko sinkt. Die Folge: Die Anleihen notieren nicht mehr bei 71 Prozent ihres Wertes, sondern bei 90 Prozent oder im Extremfall vielleicht sogar bei 100 Prozent.

Die Papiere würden also wertvoller – und die Besitzer der Schuldscheine gäben sie nur her, wenn ihnen ein angemessener Preis bezahlt würde. Wenn die EU ein Anleiherückkaufprogramm auflege, werde er erst einmal abwarten, sagt der Chef einer europäischen Großbank, die Griechenland-Bonds in ihren Tresoren hat.

Verhalten sich alle so, stützt das Rückkaufprogramm zwar den Markt für griechische Staatsanleihen, doch das eigentliche Ziel – die Umschuldung – wird verfehlt. "Das Grundproblem mit Anleiherückkäufen ist, dass man etwas drauflegen muss, um das Geschäft attraktiv zu machen. Und je mehr man drauflegt, desto weniger Schuldenreduzierung wird erreicht", sagt Lee Buchheit, ein Experte für Umschuldungen bei der New Yorker Anwaltskanzlei Cleary Gottlieb Steen & Hamilton.

In deutschen Regierungskreisen hat die anfängliche Begeisterung für die Idee bereits merklich nachgelassen. "Je länger man darüber nachdenkt, desto mehr Probleme kommen zum Vorschein", sagt ein hochrangiger Beamter. Endgültig hat sich die Bundesregierung zwar noch nicht positioniert. Aber ihre Zustimmung zu einem Rückkaufprogramm ist fraglich. Das gilt auch für die neueste Variante, wie sie in griechischen Regierungskreisen kursiert. Demnach würde Athen mit der EZB ins Geschäft kommen.