Die hat bereits griechische Anleihen im Wert von geschätzten 40 Milliarden Euro am Markt aufgekauft – ebenfalls mit Abschlag. Diese Papiere könne die Notenbank doch ebenfalls zum Schnäppchenpreis an Athen weiterverkaufen.

Griechenland würde dann zwar profitieren, doch die EZB würde sich Gewinne entgehen lassen – denn sie hat ja eigentlich Anspruch auf die Rückzahlung des vollen Betrags. Da die Notenbank ebenfalls vom Steuerzahler finanziert wird, würde das Geld nur innerhalb des öffentlichen Sektors hin- und hergeschoben.

Auf freiwilliger Basis, das lehren frühere Initiativen, ist eine Entschuldung nur schwer hinzubekommen. Bestes Beispiel dafür sind die Brady-Bonds aus dem Jahr 1989, benannt nach dem damaligen US-Finanzminister Nicolas Brady. Eine Reihe von lateinamerikanischen Staaten, Costa Rica, Brasilien, Mexiko und die Philippinen hatten damals enorme Schulden bei den Banken der Wall Street angehäuft, die sie nicht mehr bedienen konnten.

Eine echte Umschuldung gibt es nur, wenn Banken dazu gezwungen werden

Die Banken konnten ihre Forderungen nun gegen niedriger verzinste, aber durch amerikanische Staatsanleihen abgesicherte Papiere tauschen: Für die Staaten sank dadurch der Schuldendienst, die Banken mussten auf Zinsen verzichten, aber dafür keinen Totalausfall ihrer Forderungen mehr fürchten.

Anders als jetzt in Europa geplant, wurden die Entschuldungsprogramme in wochenlangen Diskussionen mit den Banken – oft unter dem sanften Druck der US-Regierung und des Währungsfonds – ausgehandelt. Die Verhandlungen zwischen den Vertretern der Wall Street und der Regierung von Mexiko zogen sich sogar über Monate hin. Die meisten beteiligten Länder hatten sich bereits vorher für zahlungsunfähig erklärt. Die Banken wussten, dass sie zu einer Einigung kommen mussten, wenn sie zumindest einen Teil ihres Geldes wiedersehen wollten.

Ein nennenswerter Schuldenabbau, das wird daher in diesen Tagen klar, ist ganz ohne Zwang nicht zu haben. In Finanzkreisen heißt es, es werde darüber nachgedacht, den Anleihebesitzern niedrigere Zinsen und längere Rückzahlungsfristen zuzumuten. Damit wäre nach internationalen Gepflogenheiten der Tatbestand des Staatsbankrotts bereits erfüllt – denn am Ende hat der Gläubiger auch bei dieser Variante weniger Geld in der Tasche.

Noch dementieren alle Beteiligten mögliche Umschuldungspläne. Stattdessen wird fieberhaft an einem Gesamtpaket für die Währungsunion gearbeitet, das auf dem Gipfel im März verabschiedet werden soll. Der Hilfsfonds soll aufgestockt, die Zinsen für Notkredite sollen gesenkt werden. Die Griechen sollen mehr Zeit bekommen, die Kredite zurückzubezahlen. Im Gegenzug, so wollen es vor allem die Deutschen, müssen sich die Schuldenstaaten verpflichten, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Reformen zu verbessern.

Am Ende, so sehen es viele in Brüssel und Berlin, wird all das möglicherweise nicht ausreichen – und von 2013 an, so haben es die EU-Chefs beschlossen, kann der Privatsektor ganz offiziell an den Krisenkosten beteiligt werden. Dass es früher oder später dazu kommen dürfte, liegt auch an den Alternativen. Ist Griechenland tatsächlich überschuldet, dann helfen auch neue Hilfskredite nicht mehr, die ja auch irgendwann zurückbezahlt werden müssen. Dann muss das Land entweder mit Transferzahlungen am Leben gehalten werden, oder es ist eine Umschuldung nötig. Variante eins ist in Deutschland nicht mehrheitsfähig, so bleibt nur die Umschuldung.

In den kommenden Wochen wollen Europas Finanzaufseher die Bilanzen der Banken durchleuchten. Je besser die Ergebnisse, desto eher wird man den Finanzhäusern einen Schuldenschnitt zumuten.