Aktienanalysten haben eine klar umrissene Aufgabe, die sie meist ausgesprochen selbstbewusst erledigen: Sie sollen großen Investoren ebenso wie kleinen Anlegern – also Ihnen und mir – erklären, warum die Aktie einer bestimmten Firma lohnenswert ist oder warum man sie schleunigst wieder loswerden sollte. Meistens tun diese Herrschaften das mit eindeutigen Empfehlungen und schwurbeliger Wortwahl ("akkumulieren", "underperform"). Für diese Arbeit werden sie sehr ordentlich bezahlt.

Warum das so ist, bleibt indes mitunter schleierhaft. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat in einer Studie gerade festgestellt, dass 2010 aus dem US-Aktienindex S&P 500 besonders häufig zum Kauf empfohlene Titel, aufs Jahr gesehen, deutlich schlechter abschnitten als Wertpapiere, die von nur sehr wenigen sogenannten Experten mit einem "Jetzt kaufen!" bedacht wurden. Ähnliche Studien gibt es dutzendfach.

Fragt sich also, ob Analysten auch nicht klüger sind als wir Kleinanleger – oder ob hier einmal mehr das an den Börsen ohnehin bedeutende Phänomen des Herdentriebs aufscheint. Herr K., mein Finanzberater , tendiert in seiner Antwort zu Letzterem. Wenn viele Analysten vieler Banken ein Wertpapier empfohlen hätten, sei es wahrscheinlich, dass dieses Papier schon sehr viel gekauft worden sei, sagt Herr K. Damit kämen dann aber wenige neue Käufer nach, ergo trödele die Aktie. Oder ihr Kurs falle bei schlechten Nachrichten, weil dann die ganze Herde wegrenne.

Herrn K.s Erkenntnis ist nicht sonderlich erbaulich, auch für ihn selbst nicht. Schließlich beschäftigt auch sein (mein!) Institut meinungsstarke Analysten. Vor Kurzem haben die ein Wertpapier von "kaufen" auf "halten" herabgestuft; danach ging die Aktie ab wie Schmidts Katze. Ich habe Herrn K. gefragt, ob man deshalb besser immer das Gegenteil von dem tun solle, was Analysten empfehlen. Eine wirklich klare Antwort hat er mir bisher nicht gegeben.