So sieht die Uniform des Winters aus: Woolrich-Parka mit Pelz für 630 Euro

Vergangenes Jahr wurde die klirrende Kälte vom mental auf Klimaerwärmung eingestellten Konsumenten eher überrascht aufgenommen. Auf diesen Winter aber sind wir vorbereitet: Allenthalben sind Menschen in dicken Daunenjacken unterwegs, wie sie von Canada Goose, The North Face und Moncler angeboten werden. Auch die UGGs, jene unförmigen Lammfellstiefel, die den Fuß einer Frau aussehen lassen, als sei er nach einem Skiunfall eingegipst worden, sind wieder da. Man hat den Eindruck, die Städter würden nicht mal eben vom Supermarkt in die Apotheke gehen, sondern gleich ihre acht Hunde vor den Schlitten spannen, um mit ihnen durch die Schneewüste zu preschen.

Ein bestimmtes Kleidungsstück hat es dabei fast zur Uniform des Winters gebracht: der Arctic-Parka mit Pelzkapuze . Überall sind Männer und Frauen zu sehen, deren Gesichter von Fell gerahmt sind, sodass eine Großstadt wie Berlin die Anmutung einer Eskimo-Metropole bekommt. Die Parkas sind insofern bemerkenswert, als mit ihnen Pelz erstmals wieder von einer breiten Masse akzeptiert wird, ja sogar zum Modemuss aufsteigt.

Überraschend viele Gesichter sind in Kojotenfell eingepackt. Der Kojote ist ein wolfsähnliches Wesen, das sich gar nicht so sehr von dem Hund unterscheidet, den der Träger der Pelzkragenjacke gewöhnlich an der Leine mit sich führt. Ob es moralisch vertretbar ist, sich das Fell eines Tieres um den Kopf zu binden, muss jeder für sich entscheiden – so wie man es auch mit dem eigenen Gewissen vereinbaren muss, das Fleisch eines Schweines zu essen, das ja ein nicht minder empfindsames Wesen als der Kojote ist.

Der Kojote ist in seiner Art nicht gefährdet, er lebt massenhaft in den Wäldern Nordamerikas und Kanadas. Dort wird das Tier gejagt, allein die amerikanischen Bundesstaaten lassen 60.000 Kojoten jährlich abschießen und vergiften – und die Bestände gehen trotzdem nicht zurück. Im Gegenteil, die Kojoten folgen den Menschen in die Städte, etwa 2000 leben um Chicago herum. Darf man ein Tier, das nachts durch die Mülltonnen der Metropolen stöbert, zu Kapuzen verarbeiten? Das ist zumindest moralischer, als Sushi vom Thunfisch zu essen. Denn dessen Bestände gehen – im Gegensatz zur Wildvariante des Fellkragens – weltweit zurück.