DIE ZEIT: Beim Erfinden geht es um Kreativität und Spontanität – kann man das planen?

Nathan Myhrvold: Es gibt diese Vorstellung, dass eine Erfindung wie ein Blitz aus heiterem Himmel kommt. Das passiert tatsächlich manchmal. Aber man kann die Kreativität auch fördern, indem man einen Haufen schlauer Leute mit unterschiedlichem Hintergrund in einem Raum versammelt und sie zu neuen Ideen stimuliert. Leute, die gar nicht ahnen, dass sie etwas zum Thema beizutragen haben, wissen häufig tatsächlich etwas Relevantes. Stellen Sie sich vor, man will eine Brücke über eine Schlucht bauen. Wenn Sie schon die ganze Brücke entwickelt haben, ist das kein Problem, aber das ist sehr selten. Tatsächlich baut man Brücken, indem man kleine Stücke zusammenfügt. Genau so verlaufen unsere Erfindungssitzungen. Jemand sagt: "Also, ich kann von hier bis da kommen." Und dann kommt jemand anderes und sagt: "Also ich kann von da aus weiterbauen."

ZEIT: Und dann hängt die Brücke in der Luft!

Myhrvold: Ja, manchmal hängt sie tatsächlich in der Luft, zuweilen bricht die ganze Konstruktion zusammen. Aber überraschend oft funktioniert es.

ZEIT: Wie oft machen Sie diese Sitzungen?

Myhrvold: Etwa einmal im Monat.

ZEIT: Sie waren lange bei Microsoft. Haben Sie dort Erfindungen gemacht?

Myhrvold: Oh ja. Ich hatte 14 oder 15 Patente, die alle mit Windows zu tun hatten. Die gehören heute natürlich Microsoft. Aber es gibt auch ein Patent über drahtlose Kommunikation. Daraus ist nie etwas geworden – ein gutes Beispiel für ein Patent, das Microsoft besser verkauft hätte. Es hatte nicht viel mit Softwaretechnik zu tun.

ZEIT: Ihre Firma gibt es seit zehn Jahren. Haben Sie schon ein Produkt auf dem Markt?

Myhrvold: Wir haben unsere Patente an viele Firmen lizenziert, aber wir werden nie selbst ein Produkt herstellen. Wir lizenzieren unsere Erfindungen an Firmen, die dabei sind, Produkte zu entwickeln, aber es ist noch keines auf den Markt gekommen. Vergleichen Sie es mit einem Film: Der wird von einem Drehbuchautor entwickelt, aber finanziert und vertrieben wird er von den großen Studios. Auf ähnliche Weise entwickeln wir die Ideen bis zu einem Punkt, an dem jemand anders sie in Produkte umsetzen kann.

ZEIT: Also nach dem Motto: "Lasst uns einen Film machen, wo man aus alter Dinosaurier-DNA furchterregende Tiere macht..."?

Myhrvold: Genau, das war Michael Crichtons Beitrag, er hat sein geistiges Eigentum lizenziert. Steven Spielberg hat den Film produziert, und beide haben gut daran verdient.