Bei den Schulers kommt in dieser Hinsicht eher low tech zu Einsatz: Die Richtung der Strahlen muss direkt am Spiegel einprogrammiert werden, bis zu 50 Positionierungen am Tag sind möglich; eine Fernbedienung gibt es nicht. Komfortablere Lösungen wären zwar machbar. Doch das triebe den Preis noch höher. Bislang aber ist die Nachfrage einfach zu gering für eine Serienfertigung, die dann die Kosten senken würde. "Die Technik ist noch zu wenig bekannt", räumt auch Manfred Starlinger ein. Wie viele seiner Branchenkollegen ist er aber überzeugt, dass sich das ändern wird.

Denn nach Licht haben die Menschen zu allen Zeiten gegiert. So stieg, der antiken Sage nach, Prometheus einst auf den Olymp, um eine Fackel am Feuerwagen der Sonne zu entzünden und den Menschen das Feuer und damit Licht und Wärme zu bringen. Und in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts planten russische Astronomen allen Ernstes, einzelne Großstädte und Landstriche mithilfe eines Sonnenspiegels vom Weltall aus zu beleuchten. Der irrwitzige Plan scheiterte. Doch die Sehnsucht nach dem wärmenden Licht ist geblieben.

Familie Schuler ist das beste Beispiel für diese Sehnsucht. Als die Familie im November vergangenen Jahres ihren Heliostat in Betrieb nahm, sorgte das für großen Medienrummel; regionale Zeitungen, Fernseh- und Radiosender gaben sich auf dem Schulerschen Hof die Klinke in die Hand; Nachbarn meinten halb ironisch, halb neidisch, die Schulers würden sich wohl mit dem Sonnenspiegel bräunen wollen. Doch die Bewohner des Haldenschwarzhofs machen sich nichts aus dem Geschwätz: "Das geht vorüber. Der Spiegel aber bleibt und bringt uns mehr Lebensqualität."

Auch Günther Aloys hat den Wert der Sonnenumlenkung erkannt. Vor zehn Jahren ließ der Touristiker aus Ischgl in Tirol einen der ersten Heliostaten auf dem Dach seines Luxushotels montieren. In seinem Dorf hat er damit so manches Kopfschütteln provoziert. Wenn aber im Winter ab drei Uhr nachmittags die Sonne hinter den Bergen verschwindet, drängen Touristen in Overalls und Skischuhen in Ischgl nur an einen Ort: die Eisbar von Aloys. Sie liegt am Ende der Haupttalabfahrt und wird vom Heliostat mit Sonnenlicht beschienen, während Ischgl längst im Schatten liegt.

Derzeit überlegt sich Aloys, auch den Keller seines Hotels mittels Heliostat und Lichtrohren sonndendurchfluten zu lassen. "Man muss sich immer wieder etwas einfallen lassen, um im Gespräch zu bleiben", sagt er. Technisch wäre die Sonne im Keller durchaus möglich – letztlich ist sie nur eine Frage des Preises. Zwischen 100.000 und 150.000 Euro habe ihn das "Spiel mit der Technik" bisher gekostet, sagt Aloys. Doch das sei der Luxus einer eigenen Sonne wert.

Auch das Dorf Rattenberg in Tirol träumte vor einigen Jahren von diesem Luxus. Rattenberg ist nicht nur eine der kleinsten, sondern auch der dunkelsten Städte Österreichs. Der Plan, den ganzen Ort dank Sonnenspiegeln ins Licht zu rücken, sorgte für weltweite Schlagzeilen. "Es war wohl unser größter Presseauftritt überhaupt", erinnert sich Bürgermeister Franz Wurzenrainer ein bisschen wehmütig. Aus dem auch im Winter lichtdurchfluteten Dorf ist nämlich nichts geworden. "Zu teuer", sagt Wurzenrainer. Vier Millionen Euro für etwas mehr Sonnenlicht – das war zu viel für die kleine Gemeinde. Also hat man das Heliostat-Projekt vorerst auf Eis gelegt.

Auch Wilfried Pohl bedauert das vorzeitige Ende des Rattenberger Projektes. Der Abteilungsleiter Forschung & Entwicklung der Lichtakademie Bartenbach sagt, dies wäre endlich eine Möglichkeit gewesen, eine hohe Stückzahl von Heliostaten zu produzieren und dadurch die Technologie voranzubringen.