Bartenbach ist so etwas wie der Marktführer auf dem Gebiet der Sonnenlichtlenkung. Das österreichische Unternehmen in Aldrans bei Innsbruck erforscht seit den siebziger Jahren den Einfluss von Licht auf den Menschen; es bringt das Licht gezielt an Orte, wo die Sonnenstrahlen nicht oder nur schwer hinfinden würden. Bartenbach rüstete etwa die Moschee in Mekka, das Ägyptische Museum in Kairo oder die Zentralbank in Frankfurt aus. Seine Erfahrung hat Wilfried Pohl aber auch gelehrt, vor übergroßen Erwartungen zu warnen: Die reflektierten Sonnenstrahlen hüllen eben nicht alles in helles Licht, sondern werfen immer nur Lichtflecke von der Größe des jeweiligen Spiegels. Vieles, sagt Pohl, sei im Bereich der Lichtlenkungssysteme noch im "Experimentierstadium", am Markt selbst fehle "das nötige Know-how" für die Umsetzung.

Den Unterschied zwischen Erwartung und Realität hat man auch in Viganella, einem italienischen Dorf nahe der Schweizer Grenze, kennengelernt. Jahrelang litt das zwischen zwei hohen Bergen eingekeilte Dorf unter der Dunkelheit. Die Stimmung war trist, die Jungen wanderten zusehends ab. Da beschloss der Gemeinderat, einen riesigen Spiegel aufzustellen und damit die Sonnenstrahlen auf den Dorfplatz zu lenken. Im Dezember vor vier Jahren wurde die neue Sonne von Viganella mit einem großen Fest gefeiert. Selbst der arabische TV-Sender Al Jazeera und CNN waren dabei. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa schrieb, das Fest würde in die Geschichtsbücher der Region eingehen. Seither sorgt ein Computer dafür, dass jeden Tag sechs Stunden lang reflektiertes Licht ins Dorf fällt.

Inzwischen aber hat sich in Viganella Ernüchterung breitgemacht. "Die Technik funktioniert. Ansonsten sind die Probleme dieselben wie davor", sagt Bürgermeister Giuseppe Colombo trocken. Noch immer ziehen die Jungen weg, wichtige Dienstleistungen fehlen, nicht einmal genügend TV-Kanäle gibt es – dagegen hilft auch kein Heliostat. Sicher, manchmal verirre sich ein Tourist in das Dorf und bestaune den Sonnenspiegel. Aber niemand bleibt lange. Denn die reflektierten Strahlen spenden zwar Licht. "Aber viel wichtiger wäre es, die Wärme der Menschen im Dorf zu halten", sagt Colombo. Das habe der Spiegel nicht geschafft.

Die Schulers im Schwarzwald sind derweil zufrieden. Als sie damals die Fernsehbilder aus Viganella sahen, dachten sie sich: "Was die schaffen, das schaffen wir auch." Und die wärmenden Strahlen haben es deutlich wohnlicher auf dem Haldenschwarzhof gemacht. Thomas Schuler denkt sogar bereits über einen zweiten Spiegel nach. Diesmal würde er ihn sich allerdings direkt vom Baumarkt holen. "Der ist billiger und funktioniert auch", sagt der Bauer, der auf dem besten Wege ist, selbst zum Lichttechniker zu werden.

Aber welches technische Verfahren auch angewandt wird, eine Grenze hat die Lichttechnik immer, wie die Schulers schon bemerkt haben: Wenn sich die Sonne hinter dicken Wolken versteckt, ist leider selbst der schönste Heliostat zur Nutzlosigkeit verdammt.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio