Mit einer Ausdehnung von knapp 80 Quadratkilometern ist South Los Angeles die Sahara unter den amerikanischen Ernährungswüsten. In diesem Ödland findet man kaum ein Salatblatt (außer in einem Hamburger), eine Banane gibt es allenfalls an der Tankstelle und einen Apfel nur im 99 Cent Store – rot, gewachst, poliert und aus China.

Zum selben Preis bietet McDonald’s einen McChicken an und Burger King einen Double Stack. Im einstigen South Central Los Angeles, das nach den Aufständen von 1992 seinen Namen änderte, aber seither nur noch tiefer in Armut und Gewalt versunken ist, fallen zwei Drittel aller Restaurants in die Fast-Food-Kategorie. Beinah jede Kreuzung der Figueroa Street ist von vier Etablissements besetzt, die ihren Kunden hochkalorische Mahlzeiten in Styroporverpackung ins Autofenster reichen: In der Heimat der Bandenkriege und der Drive-by-Shootings, die Touristen neuerdings mit dem Reisebus besichtigen können, kommen auf tausend Schnellimbisse ein paar wenige Supermärkte.

Seit South Central brannte, sind etliche Alkoholläden eingezogen, die ihre Ware hinter kugelsicherem Glas verkaufen, aber Großmarktketten trauen sich nur selten in diese Wüste. Wenn sie sich in dem traditionell afroamerikanischen und mehr und mehr hispanischen Stadtteil niederlassen, wird ihr Wagnis mit einem Preismonopol belohnt, das die finanzschwachen Anwohner wieder zum billigen Big Mac treibt – "Nahrungsunsicherheit" heißt jener paradoxe Zustand, dass man zu wenig Geld zum Essen hat und trotzdem viel zu dick ist.

Ein Drittel der 750000 Bürger von South L. A. ist nicht nur übergewichtig, sondern derart fettleibig, dass sich die Stadt jetzt entschied, ein vor zwei Jahren versuchsweise eingeführtes Verbot neuer Fast-Food-Restaurants auf Dauer anzuordnen. Kleinere Städte wie Berkeley in Kalifornien, Concord in Massachusetts und Port Jefferson haben Junk-Food-Ketten aus ihren Zentren verbannt, um das historische Straßenbild vor zu viel Plastik und Neon zu retten, doch nirgendwo sonst wurde bisher ein ganzer Distrikt zur gesundheitlichen Gefahrenzone erklärt.

In den letzten Jahren hat sich Los Angeles bereits durch andere radikale Maßnahmen gegen die Verfettung seiner bewegungsarmen Bevölkerung ausgezeichnet: 2002 wurde in den Schulen der Viermillionenstadt erstmals in den USA der Verkauf von Süßigkeiten und Softdrinks aus Automaten verboten. Ein Jahr später entschied man sich zur drastischen Reduzierung von Salz, Zucker und Fett in Schulkantinen.