In einer Region wie South L. A., in der die Hälfte aller Jugendlichen ohne Beschäftigung ist, hat die Rezession den Burger-, Pizza- und Enchilada-Ketten enorme Profite beschert. Die Kinder im größten Ghetto von L. A. leiden doppelt so oft unter Fettleibigkeit wie ihre Altersgenossen in West Hollywood.

Zwar weist eine neue Studie der University of California in Berkeley nach, dass ein Fast-Food-Restaurant im Umkreis von 150 Metern einer Schule die Wahrscheinlichkeit der Gewichtszunahme unter den Schülern erheblich erhöht, doch die Verbannung neuer Schnellgaststätten erntete selbst bei vielen South Angelinos Proteste.

Im gegenwärtigen regierungsfeindlichen Klima wird gegen die "Essenspolizei" gewettert, die einem vorschreiben will, was man isst. Sarah Palin tauchte neulich in einem Klassenzimmer in Pennsylvania mit Dutzenden von Kekspaketen auf, um einem fiktiven Schul-Cookie-Embargo zu trotzen und "den Kindern die Freuden des Laisser-faire" beizubringen, wie sie munter twitterte. Auch der Fernsehdemagoge Glenn Beck schimpfte erst kürzlich auf die hochnäsigen Politiker, die ihren Bürgern die freie Entscheidung über ihre Ernährung absprechen wollen – Zucker und Fett gehören offenbar ebenso zu den unveräußerlichen Rechten des Amerikaners wie das Tragen der Waffe.

Die Rand Corporation bestreitet mit einer Untersuchung die Wirksamkeit von Fast-Food-Stopps. Nicht McDonald’s & Co., sondern süße Getränke und Chips aus der Tüte sind den konservativen Vordenkern zufolge an der massenhaften Fettleibigkeit schuld. Deren verheerenden Einfluss bezweifelt in der Tat niemand.

Wenn für einen zwölfjährigen Gast bei Carl’s Junior am Crenshaw Boulevard in L. A. ein Western Bacon Cheeseburger als Vorspeise zum Abendessen gilt, muss Michelle Obama wohl noch Millionen Baby-Arugulasalate pflanzen, ehe sich der amerikanische Appetit wandelt.