Fast sah es so aus, als handle es sich nur um ein weiteres Scharmützel im sogenannten Kampf der Kulturen: Eine 39-jährige Muslimin kehrt aus der Elternzeit zurück und will ihre Arbeit im Frankfurter Bürgeramt künftig nur noch hinterm Vollschleier ausüben. Keine Burka im Büro!, entscheidet die Stadt Frankfurt und untersagt ihr das Tragen des Schleiers am Arbeitsplatz. Daraufhin beschließt die Frau Ende vergangener Woche, ihren Dienst nicht wieder aufzunehmen . Sie habe nicht mehr länger im Fokus der Öffentlichkeit stehen wollen, gibt die Stadt Frankfurt bekannt.

Dass nun auch die deutsche Politik über ein Burka-Verbot diskutiert , das niemand braucht, und damit einen Kulturkampf herbeiredet, wo keiner ist, ist ärgerlich. Angestellte, die unter der Burka zur Arbeit kommen, sind in Deutschland eine absolute Ausnahme , niemand muss sich hier vor einem Heer von Burka-Beamten fürchten. Dabei sollte uns in diesen Tagen, da quer durch die arabischen Länder Tausende vereint auf die Straße gehen für mehr Demokratie, etwas ganz anderes an dem Burka-Fall interessieren: die Einigkeit der gläubigen, aber nicht fundamentalistischen Muslime, die sich öffentlich zu Wort meldeten.

Kurz nachdem der Fall bekannt geworden war, hat die Generalsekretärin des Zentralrats der Muslime, Nurhan Soykan, erklärt, dass das Verhalten der Frankfurter Rathaus-Angestellten keine Akzeptanz finde im Zentralrat der Muslime: Das Tragen eines Vollschleiers sei aus religiöser Sicht nicht notwendig. Soykan, die selbst ein Kopftuch trägt, hat ausdrücklich klargemacht, dass die Forderung, am Arbeitsplatz eine Burka tragen zu dürfen, den jungen muslimischen Frauen in Deutschland schadet. Diese Forderung nämlich befördere weiter das ohnehin schon vorhandene Misstrauen der nicht muslimischen Mehrheit gegenüber den Muslimen.

Viel zu lange, das haben gemäßigte Muslime in der letzten Zeit schon häufiger selbstkritisch angemerkt, habe man öffentlich das Feld den Extremisten überlassen. International hat die Witwe des ehemaligen ägyptischen Präsidenten, Jehan Sadat, hartnäckig einen stärkeren Zusammenhalt der gemäßigten Muslime gefordert. Und hier in Deutschland haben Frauen wie die Religionspädagogin und Buchautorin Lamya Kaddor verstanden, wie wichtig es ist, ihre Stimme zu erheben, weil die nicht muslimischen Deutschen allzu oft alles in eine Tonne werfen: Islam und Extremismus, Kopftuch und Burka. Kaddor hat deshalb ein Buch über einen zeitgemäßen Islam in Deutschland geschrieben.

Vielleicht ist die Einigkeit von Muslimen und Nichtmuslimen gegen die Burka im Büro ein Zeichen dafür, dass die Muslime selbstbewusster gegen den Extremismus in ihrer Religion vorgehen. Denn nicht der Westen muss sich vor dem Islam schützen, sondern wir alle zusammen müssen uns gegen Fundamentalismus im Namen der Religion stellen. Und nebenbei hat die Stellungnahme der Generalsekretärin des Zentralrats der Muslime auch noch etwas anderes gezeigt: Selbst wenn das in den Augen von Feministinnen wie Alice Schwarzer ein Widerspruch zu sein scheint – es gibt sie, die weibliche Selbstbestimmung unterm Kopftuch.