Minister prägen ihr Ressort. Noch häufiger aber prägen Ressorts ihre Minister. Die Verformung der Amtsperson beim Regieren lässt sich bei Bundesforschungsministerin Annette Schavan gut beobachten. Als sie noch in Baden-Württemberg Kultusministerin war, verbat sie sich jede Einmischung des Bundes in Bildungsfragen. Jetzt, da sie selbst in Berlin regiert, sieht sie vieles anders. Nun hat sie die Idee ins Spiel gebracht, der Bund solle die Finanzierung ausgewählter Hochschulen übernehmen . Bundesuniversitäten! Darüber hat noch kein Bildungsminister laut nachzudenken gewagt, nicht einmal Schavans Vorgängerin Edelgard Bulmahn (SPD), die geradezu lustvoll den Streit mit den Länderkollegen suchte.

Mit ihrem Vorstoß hat Schavan ein Tabu gebrochen – auch wenn man, wie öfter bei ihr, nicht genau weiß, ob dahinter ein strategischer Plan steckt. Doch zu wünschen wäre es: Die Idee ist sinnvoll, der Zeitpunkt ihrer Lancierung gut gewählt, ihre Umsetzung zwar schwierig, aber möglich.

Anfang März beginnt die dritte und wohl letzte Auswahlrunde der Exzellenzinitiative, in der die Universitäten um bundesweite Fördertöpfe konkurrieren. Offen ist, was danach kommt. Klar ist nur: Allen Bundesländern – selbst den reichen wie Bayern und Baden-Württemberg – fehlen die Mittel, auch nur eine ihrer Hochschulen so gut auszustatten, dass sie mit internationalen Spitzen-Unis konkurrieren können.

Dieses Potenzial hat nur der Bund. Nähme er zwei oder drei der besten Hochschulen unter seine Fittiche, wäre dies eine logische Fortentwicklung des Wettbewerbs. Natürlich müssten dann die Länder ohne Bundes-Uni einen finanziellen Ausgleich aus Berlin bekommen. Nur so wären sie für eine notwendige Verfassungsänderung zu gewinnen. Denkbar wäre ein Milliardentopf für die Infrastruktur aller Universitäten.

Schon heute lässt sich ohne Geld des Bundes kaum noch forschen; sein Einfluss in der Lehre wächst ständig. Bereits jetzt ist jede deutsche Universität ein bisschen auch eine Bundesuniversität. Eine Verfassungsänderung würde insofern neben mehr Geld auch etwas anderes in die Hochschulpolitik bringen: mehr Ehrlichkeit.