Anthroposophie

So nennt sich die Weltanschauung, auf der die Waldorfpädagogik fußt. Sie beruft sich auf Rudolf Steiners Lehre zur Erforschung des Übersinnlichen.

Dreigliederung

Für Anthroposophen besteht der Mensch aus drei Teilen: Geist, Leib und Seele. Entsprechend sollen Waldorfpädagogen das Denken, Fühlen und Wollen schulen, indem sie die intellektuell-kognitiven, die künstlerisch-kreativen und die handwerklich-praktischen Fähigkeiten ihrer Schüler gleichberechtigt bis zum Abitur fördern.

Eurythmie

Eine expressionistische, in farbigen Gewändern vorgeführte Bewegungskunst. Deren Besonderheit liegt darin, dass nicht nur Musik, sondern auch Sprache in Bewegung übertragen werden soll. Anthroposophen schreiben der Eurythmie eine therapeutische Wirkung zu.

Feldmessen

Ein Beispiel für die vielen praktischen Einheiten im Curriculum: In der zehnten Klasse sollen Waldorfschüler ein Gelände so vermessen, dass sie aus den Ergebnissen eine Karte zeichnen können. In einem Lebensalter, in dem die Jugendlichen sehr auf sich selbst bezogen sind, soll das Messverfahren die objektive Auseinandersetzung mit der Welt fördern.

Jahrsiebt

Laut Steiner kommt es nach der physischen Geburt des Menschen alle sieben Jahre zur "übersinnlichen Geburt" eines weiteren "Wesensgliedes". So markiert der Zahnwechsel die Geburt des "Ätherleibes"; Fantasie und Gedächtnis sollen in der folgenden Phase gestärkt werden. Mit der Pubertät im dritten Jahrsiebt folgt die Geburt des "Astralleibes"; nun sollen die Urteilskraft und das Denken in abstrakten Begriffen den Unterricht bestimmen. Das "Ich" als unveränderlicher Kern des Menschen bildet sich nach dieser Theorie erst im vierten Jahrsiebt, mit 21 Jahren, voll aus.

Lernbericht

Noten gibt es offiziell nicht, stattdessen werden die Lernfortschritte und die Persönlichkeit der Kinder ausführlich beschrieben. Von der neunten Klasse an geben aber inzwischen viele Lehrer neben dem sogenannten Berichtszeugnis Noten, um einen eventuellen Übergang auf eine staatliche Schule zu erleichtern. In der Grund- und Mittelstufe gibt es außerdem den Zeugnisspruch – ein kurzes Gedicht, das zum Schüler passen soll und einmal die Woche vor der Klasse aufgesagt werden muss.

Temperamentenlehre

Schon Hippokrates hat den menschlichen Charakter mit vier typischen Wesensarten beschrieben: Choleriker, Sanguiniker, Phlegmatiker und Melancholiker. Von dieser Typisierung ausgehend, sollen Waldorflehrer ausgleichend auf das Temperament ihrer Schüler einwirken.

Waldorf

Für die anthroposophische Schulbewegung stand eine Stuttgarter Zigarettenfabrik Pate: Waldorf-Astoria. Der Fabrikdirektor Emil Molt beauftragte Rudolf Steiner mit der pädagogischen Betreuung der Arbeiterkinder.

Zusammengestellt von Alexandra Werdes