Bayreuther Ringe brauchen zur Vollendung eine knappe Woche. Wilhelm Furtwänglers umfassendste nicht szenische Arbeit an Richard Wagners Tetralogie indes zog sich fast einen Monat hin, von Ende Oktober bis Ende November 1953 in Rom.

Abgesehen vom Rheingold, das nun mal nicht auseinanderzudividieren ist, nahm sich Furtwängler Abend für Abend jeweils nur einen Akt vor. Das Orchester war unerfahren, die Sänger waren teils sehr jung, Furtwängler konnte walten, wie er wollte. Also bewahrte er dem Werk seinen heiligen Ernst.

Am Ende ist es eine sehr keusche Aufnahme, sie lebt von Furtwänglers unnachahmlichem Wechselspiel zwischen epischer Tiefenforschung und plötzlichem, nie unvorbereitetem dramatischem Ausbruch. Sie will weniger überwältigen als erhellen: Wer steht zu wem in welchem Verhältnis und warum?

Auf seltsame Weise verschwanden die Aufnahmen des italienischen Staatsrundfunks für Jahrzehnte und tauchten nun wieder auf. Nicht jeder Rumpler ließ sich eliminieren, nicht jeder Wackler hat sich verflüchtigt. Aber ein Ensemble mit Martha Mödl, Sena Jurinac, Wolfgang Windgassen, Julius Patzak und Josef Greindl lässt auch unhistorisch veranlagte heutige Hörer aufmerken: Was für ein Wortverständnis, was für eine Musikalität!

In der Götterdämmerung schließlich gelingt Sena Jurinac das Kunststück, gleich drei unschlagbare Rollenporträts abzugeben: als dritte Norne, Gutrune und Woglinde. Kein Quotendruck, nur freieste Kunstentfaltung.

Richard Wagner: "Der Ring des Nibelungen" (EMI 9 08161 2, 13 CDs)