Dieser Film ist ein Western, oder etwas in der Art, mit sehr bizarrer Produktionsgeschichte. Ausgangsmaterial ist der Roman The Authentic Death of Hendry Jones, ein "New Western" des in Odessa geborenen Charles Neider (1915 bis 2001), der sich vor allem als Mark-Twain-Forscher einen Namen machte. Sein Jones-Roman ist eine Paraphrase auf die Pat Garrett/ Billy-the-Kid-Geschichte mit eigenwilligen pseudodokumentarischen literarischen Mitteln. Neider lässt einen fiktiven Zeitzeugen die Geschehnisse rund um die beiden Revolverhelden akribisch berichten. Dieser Zeuge interessiert sich offenkundig nicht nur für das Drama, sondern auch für alles Mögliche am Rande, weswegen er manchmal auch Entscheidendes verpasst. 1957 kaufte Marlon Brando die Filmrechte und setzte nacheinander und miteinander sieben Drehbuchautoren auf den Stoff an. Darunter war auch ein gewisser Sam Peckinpah, der später seinen eigenen Film über Billy the Kid und Pat Garrett drehte. Zufrieden war Brando eigentlich mit keiner der Versionen, trotzdem begann er den Film One Eyed Jacks (Halmar Home-Entertainment/KNM-Western Archive), mit seinem Wunschkandidaten Stanley Kubrick als Regisseur.

Es dauerte nicht lange, und die beiden waren heillos zerstritten. Brando übernahm selbst die Regie und versuchte mit allen Mitteln, Kubrick nicht nur an Besessenheit, sondern womöglich auch an Kubrick-haftigkeit zu übertreffen. Die Dreharbeiten zogen sich über Jahre hin und verschlangen ein Vermögen. Eine der schöneren Legenden handelt von einem, natürlich, "brütenden" Marlon Brando, der bei täglichen Fixkosten von 50.000 Dollar das Team darauf warten ließ, bis das Meer endlich die richtige Art von Kräuselung aufwies.

Genau so sieht der 1961 endlich fertiggestellte Film auch aus. Als wollte jemand eine psychoanalytische Sitzung in der Form eines Haiku in Breitwand dokumentieren. Nichts passt zusammen, alles ist grandios. Ödipus wird zerfetzt und unvollkommen wieder zusammengesetzt. Der gewaltige Aufwand, die abstruse Schönschrift dieses Films versucht vergeblich zu verbergen, dass es in One Eyed Jacks eigentlich nur um Körper geht . Um einen Männerkörper, der sich lieber unentwegt verletzen und verstümmeln lässt, ehe er sich zu seinem Begehren bekennt. Und der dabei, mehr oder weniger, heilig wird.

Nun gibt es den Film endlich in einer digital remasterten und restaurierten Fassung auf DVD, mit immerhin 162 statt der früheren 143 Minuten. Das ist zwar immer noch bei Weitem nicht der Film, den Brando im Sinn hatte – der hätte fünf Stunden dauern sollen. Aber selbst in dieser Form kann man ahnen, was für ein gewaltiges Poem da mit den Mitteln des Films geschrieben wurde.

Natürlich gehört der Film eigentlich in ein gewaltiges, halb leeres Kino. Aber alles kann man nicht haben.