Einer fehlte. Als Europas größte Hotelkette, die französische Accor-Gruppe, ihr neues Nobelhotel Sofitel Vienna Stephansdom in Wien eröffnete, blieb Gilles Pélisson entgegen den ursprünglichen Plänen in Paris. Der Neffe des Accor-Mitbegründers Gérard Pélisson, der seit 2005 das Unternehmen führte, hat dort nichts mehr zu melden. "Strategische Differenzen" mit dem Verwaltungsrat lautete bereits Anfang November die ebenso dürre wie ungewöhnlich harte Erklärung für den Rauswurf. Pélisson blieb dennoch drei weitere Monate, um seinem Nachfolger die Geschäfte zu übergeben. Der soll vor allem eines: dafür sorgen, dass die Hauptaktionäre endlich Geld sehen.

Denis Hennequin, 52, ist ein Meister des Geschäfts, das Accor nun bis 2015 zum führenden Franchiseunternehmen in der Hotelbranche und zur drittgrößten Hotelgruppe nach Marriott und Intercontinental machen soll. Franchise, das heißt, dass Accor gegen Geld nur noch den Namen von Häusern wie Ibis, Etap, Novotel oder Mercure gibt, die Gebäude und das Management jedoch in der Verantwortung von Investoren liegen. Die Zahl der Franchisehotels solle von derzeit 800 auf 1500 steigen, sagte der Neue in Wien. Das spart Kapital. Der Verkauf von Immobilien m Wert von zwei Milliarden Euro an externe Investoren soll zudem den Gewinn vor Steuern heben und die Schulden senken. Letztere betragen derzeit noch rund 900 Millionen Euro.

Nicht allen behagt das Tempo, das Hennequin vorlegt. Gerade haben sich die Franchise-Nehmer von 750 Hotels der Gruppe zu einer Vereinigung zusammengeschlossen, um ihre Interessen gegenüber Accor zu vertreten. Ihre Hauptsorge: Neu hinzukommende Hotels, mit denen die Gruppe ihr Portfolio an einem Standort erweitern will, könnten den bereits bestehenden Platzhirschen womöglich Kunden streitig machen.

Doch die Hauptaktionäre machen Druck. Die Investmentfonds Colony Capital und Eurazeo halten gemeinsam knapp 30 Prozent an Accor. Ende 2011 läuft die Aktionärsbindung aus, dann können sie verkaufen. "Sie peilen eine Bewertung von Accor und Edenred bei gemeinsam 60 bis 70 Euro an", sagt Matthias Desmarais, Analyst beim französischen Broker Exane. Bei Redaktionsschluss waren es gut 53 Euro.

Eine Aufgabe für Hennequin. 26 Jahre lang hatte der Rockmusik- und Harley-Davidson-Fan nach der Franchisedevise bei Mc Donald’s gewirtschaftet, zuerst als Frankreich-Chef, dann als Verantwortlicher für das Europa-Geschäft. Dass er Frankreich zum Schrecken der Gourmets zum größten europäischen Markt für die amerikanische Fast-Food-Kette machte, brachte ihn ins Gespräch für den Posten des Konzern-chefs. Der Franzose aber wollte lieber in seiner Heimat bleiben.

Spekulationen über Pélissons Ablösung hatte es bereits im vergangenen Sommer gegeben. Da hatten Colony Capital und Eurazeo die Abspaltung der Servicesparte mit den in Frankreich weit verbreiteten Restauranttickets und ihre separate Börsennotierung durchgesetzt. Für jedes Accor-Papier erhielten die Anteilseigner eine Aktie an Edenred, wie die Service-sparte seither heißt. Pélisson, nicht nur Vorstandschef, sondern in Personalunion auch Chef des Verwaltungsrats, war ursprünglich dagegen. Die Servicesparte war die Cash-Cow der Gruppe. Sie spülte zuverlässig Geld in das Unternehmen, auch in Krisenzeiten, als insbesondere die Mittelklasse- und Luxushotels unter der Sparsamkeit der Geschäftsreisenden litten. Doch Pélisson fügte sich dem Argument seiner Hauptaktionäre, dass die Papiere der Accor-Gruppe unterbewertet seien, da Analysten die Mixtur aus Hotelbetten und Essensgutscheinen nicht angemessen mit der Konkurrenz vergleichen könnten. Colony war im Mai 2005 bei einem Aktienkurs von 41 Euro eingestiegen. Vor der Aufteilung dümpelte das Papier bei 37 Euro.