Nokia hätte kaum einen passenderen Ort wählen können, um das eigene Drama zu erklären. Nur wenige Schritte vom Hafen Barcelonas entfernt, verströmt das Casa Llotja de Mar noch immer den imperialen Anspruch vergangener Zeiten. Über Jahrhunderte verkehrten in dem Gebäude, das auf mittelalterlichen Fundamenten in neoklassischem Stil errichtet wurde, die Eliten der spanischen Wirtschaft. Im Innern stützen hohe Säulen eine Decke mit Holzornamenten. Das Ambiente vermittelt den Eindruck, als wäre Spanien noch immer eine große Seefahrts- und Handelsnation der Welt – und nicht ein klammer Sorgenstaat am Rand der Euro-Zone.

Stephen Elop ist nach Barcelona gekommen, um auf der Mobilfunkmesse Mobile World über das Ende eines ganz modernen Imperiums zu sprechen. Doch während sich der Niedergang der spanischen Weltmacht über Generationen hinzog, wurde der einstige Weltmarktführer Nokia von zwei Gegnern abgefertigt, die fünf Jahre zuvor noch gar keine waren: Apple und Google , der eine profitabler, der andere populärer.

Vorstandschef Elop versucht, dem Drama um den finnischen Handykonzern etwas Positives abzugewinnen und die Krise in eine Chance umzudeuten. "Das ist der wichtigste Wandel in der Geschichte von Nokia ", sagt er über die vor wenigen Tagen beschlossene Zusammenarbeit mit dem Windows-Konzern Microsoft. "Jetzt marschieren wir zusammen nach vorne. Wir schaffen einen neuen Herausforderer."

Es ist eine der größten Allianzen in der Geschichte der Hightechindustrie. Und es ist eine Allianz der Not.

Apple und Google haben um ihre Smartphones genannten Oberklassehandys erfolgreich errichtet, was Elop neidvoll ein "Ökosystem" nennt. Ein Universum aus Geräten, Software und Dienstleistungen, in dem sich die Kunden gerne aufhalten und Geld ausgeben. Sie laden sich milliardenfach kleine Programme herunter und halten darüber Kontakt zu ihren Freunden, spielen oder surfen im Internet. Nachdem Nokia und Microsoft es einzeln nicht geschafft haben, wollen sie nun gemeinsam auch so ein Ökosystem aufbauen . "Jetzt ist es ein Rennen mit drei Pferden", lässt Nokia-Chef Elop seine Konkurrenten wissen. Die bleiben gelassen: "Zwei Truthähne ergeben noch keinen Adler", spottete ein Google-Manager im Internet.

Die Finnen werden nun Windows Phone auf ihren Geräten installieren

Noch sind nicht alle Details verhandelt, aber Elop glaubt, dass Großes entstehen kann. Nokia wird zahlreiche Smartphones bauen, auf denen das Betriebssystem Windows Phone von Microsoft läuft. Nokias eigenes Betriebssystem Symbian war nicht attraktiv genug für Entwickler, die viele kleine Apps programmieren, die sich Nutzer gegen Geld oder Werbung auf ihre Handys laden. Elop lässt erste Designentwürfe zeigen, Touchscreenhandys mit knallbunten Gehäusen und der markanten Kachel-Oberfläche von Windows Phone. Jeder steuert bei, was er eben so im Programm hat: Nokia seinen Kartendienst Maps, Microsoft seine Suchmaschine Bing und den Zugang zur Spielewelt Xbox. Das größere Angebot für Nutzer soll irgendwann zu höheren Werbeeinnahmen führen, an denen Nokia beteiligt werden soll. Insgesamt werde Nokias Vorteil bei der Kooperation "nicht in Millionen, sondern in Milliarden gemessen", sagt Elop.

Seine Hände zeichnen dabei eine Waagschale in die Luft. Niemand soll auf die Idee kommen, dass Nokia der Verlierer dieser Allianz sein könnte. Aber es steht im Widerspruch zu den Gerüchten, nach denen sich seit ein paar Tagen auffällig viele Nokia-Mitarbeiter nach neuen Jobs umsehen.