Jahr um Jahr rauscht China in der Tabelle der größten Volkswirtschaften an führenden Industrieländern vorbei, und nun hat das Land mit seiner Wirtschaftsleistung auch Japan überholt. So bleibt nur noch ein Land, das es zu verfolgen gilt: die Vereinigten Staaten .

In der Wirtschaft gilt Bewegung oft mehr als schiere Größe. Und der Dynamik nach ist China schon heute der Champion. Am Wochenende ist G-20-Treffen , wenig geht da ohne ihn. Im Internationalen Währungsfonds soll China eine große Rolle spielen, in der Welthandelsrunde kommt es auf Peking an, und wenn Obama und Merkel über Regeln gegen hohe Exportüberschüsse streiten wie 2010 , dann entscheidet wie selbstverständlich der asiatische Riese das Spiel.

Normalerweise muss der Neue im Bunde seine Kraft erst beweisen. Doch der Westen erkennt die Wirtschaftsmacht freiwillig an.

Sicher, die USA müssen sich gesundsparen, und Europa muss überhaupt erst einmal wieder als Einheit dastehen, um im Systemwettbewerb der kapitalistischen Demokratien mit den autokratischen Kapitalisten zu bestehen.

Aber man wird den Eindruck nicht los, vor allem die Europäer machten es China zu leicht. Zuletzt hatte Angela Merkel zwei gute Ideen, um Europa aufzurichten. Axel Weber sollte Chef der Europäischen Zentralbank werden und den Glauben der Welt an die Stabilität in Euroland stärken – doch der deutsche Falke flog einfach von dannen . Und mit einem Pakt für mehr Wettbewerbsfähigkeit sollten die im Euro vereinigten, aber doch so unterschiedlich leistungsfähigen Länder in einem gemeinsamen Kraftakt ihre Ökonomien stärken. Bloß zerredet Europa diesen Ansatz gerade, der sagt: Jeweils die Besten des Kontinents sollen den anderen als Maßstab gelten. Wenn sich so das Mittelmaß durchsetzt statt der Spitze, kommt Europa nicht in Schwung.

Ewig wird zwar auch China nicht weiterwachsen wie bisher, die Inflation dürfte das Land ebenso einholen wie das rapide Altern seiner Bevölkerung . Das ändert aber nichts daran, dass die Welt(wirtschaft) chinesischer wird. Die asiatischen Konsumenten bestimmen zunehmend, welche Angebote westliche Konzerne entwickeln . Und ohne Peking geht nur noch wenig im Kampf gegen den Klimawandel.

Bloß, die Gewichtsverlagerung auf dem Planeten muss der Westen nicht noch beschleunigen – nach dem Motto: Die Krise hat entschieden, China ist besser als wir.

Kein Defätismus, bitte. Denken die Lenker Europas einmal an das ganze Jahrhundert statt bloß an dieses Jahr, dann müssen sie bei ihren anstehenden Reformen hart zu sich selbst sein – egal, woher die besten Vorschläge für eine stabile, dynamische und faire europäische Wirtschaft gerade kommen.