DIE ZEIT: Herr Zimmer, drei Milliarden Euro hat der Bund in die WestLB gesteckt. Jetzt soll sie zerschlagen werden. Ist das Geld damit weg?

Daniel Zimmer: In dem derzeit von den Eigentümern diskutierten Modell , demzufolge die WestLB aufgespalten und in großen Teilen abgewickelt wird , haftet der Bund mit seinem Geld für mögliche Verluste. Die Erstattung der eingezahlten Mittel rückt damit in weite Ferne.

ZEIT: Neben der WestLB wurden weitere Banken mit Kapital gestützt. Mit insgesamt rund 50 Milliarden Euro haben Bund und Länder sich in der Krise engagiert . Wie teuer wird die Rettung ?

Zimmer: Man kann davon ausgehen, dass zumindest ein Teil der erworbenen Bankbeteiligungen wieder veräußert werden kann und das ein oder andere Institut in der Lage sein wird, die Hilfen zurückzugeben. Die Commerzbank etwa könnte einen substanziellen Teil der erhaltenen Mittel kurzfristig zurückzahlen. Wie schnell der Staat ganz aussteigen kann, hängt von der weiteren Geschäftsentwicklung ab.

ZEIT: Was bleibt unterm Strich am Steuerzahler hängen?

Zimmer: Alles in allem werden wir – Bund und Länder zusammengenommen – bei einem Verlust in Höhe einer mittleren zweistelligen Milliardensumme enden.

ZEIT: Die US-Regierung ist bei der Rettung der Wall-Street -Banken deutlich besser gefahren.

Zimmer: In den USA hat sich der Staat mit Aktien beteiligt. Diese konnten etwa im Fall der Citigroup mit Gewinn veräußert werden, nachdem der Kurs gestiegen war. Der Schweiz ist bei der UBS Ähnliches gelungen. Wir in Deutschland haben uns vorrangig mit stillen Einlagen...

ZEIT: ...einer Form der Beteiligung, die nicht mit Kontrollrechten einhergeht...

Zimmer: ...engagiert. Diese abzulösen ist deutlich schwerer. Aktien lassen sich im Zweifel einfach über die Börse verkaufen. Daher ist der Ausstieg hierzulande komplizierter – und teurer. Aber auch die Schwäche des Bankensektors treibt den Preis der Rettung in die Höhe.

ZEIT: Inwiefern?

Zimmer: Insbesondere viele Landesbanken haben seit Jahrzehnten enorme Probleme. Diesen Instituten fehlte und fehlt ein einträgliches Geschäftsmodell. Eine Beteiligung an einer Bank ohne Geschäftsmodell aber lässt sich nun einmal nur schwer verkaufen. Kurz gesagt: Es gibt in Deutschland zu viele Banken.

ZEIT: Was muss geschehen?

Zimmer: Im Normalfall löst sich das Problem in einer Marktwirtschaft von selbst. Schwache Unternehmen treten aus dem Markt aus. Im Bankgewerbe hat das nicht funktioniert, weil wir Marktaustritte mit den Rettungen verhindert haben. Da wurden überkommene Strukturen mit staatlichen Mitteln aufrechterhalten. Nun aber muss der nächste Schritt erfolgen: eine Bereinigung der Branche. Dabei geht es nicht nur um die Kosten der Rettung. Schreiten wir jetzt nicht ein, ist die nächste Krise nur eine Frage der Zeit, weil sich die Problembanken wieder auf eine ungesunde Jagd nach Rendite begeben werden.