Zwei Männer, zwei Sätze, ein Wirtschaftskrieg. Der erste Satz wurde am 4. Februar 2002 in einem New Yorker Hotelzimmer gesprochen, von einer Fernsehkamera aufgezeichnet und später auf Bloomberg TV gesendet. Es ist ein komplizierter, gedrechselter Satz, er beginnt mit einer Relativierung und mündet in einer absoluten Aussage. Er lautet: "Was man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen."

Gesprochen hat diesen Satz Rolf-Ernst Breuer, er war damals Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Er war gefragt worden, ob der Medienunternehmer Leo Kirch finanzielle Hilfe erwarten könne. Seine Worte sind die teuersten der deutschen Wirtschaftsgeschichte, und sie werden wohl noch teurer werden. Wobei offen ist, wer die Rechnung bezahlt.

Der zweite Satz stammt von Kirch, dem einstmals mächtigsten deutschen Medientycoon, dessen Imperium 2002 krachend unterging . Es ist ein Satz, an dem es nichts zu deuteln gibt, er lautet: "Erschossen hat mich der Rolf."

Wer der Gute und wer der Böse in diesem Duell ist, das ist schwer auszumachen. Fest steht aber: Der Satz von Breuer erwies sich, jedenfalls später, als richtig, der von Leo Kirch als falsch. Die Kirch-Gruppe ging acht Wochen nach den Äußerungen des Bankers pleite, aber erledigt hatte Breuer den Unternehmer Kirch keineswegs. Falls er ihn hatte erschießen wollen, indem er ihm öffentlich die Kreditwürdigkeit absprach, hatte er nicht richtig gezielt. Um im Bild zu bleiben: Kirch wurde angeschossen. Seitdem schießt er zurück , mit leichten, mittleren und schweren Waffen. Auf Breuer und auf die Deutsche Bank. Niemals zuvor hat es in der deutschen Wirtschaft eine Fehde gegeben, die so erbittert ausgefochten wurde. Die Anwalts- und Gerichtskosten dürften sich auf viele Millionen Euro belaufen.

Leo Kirch ist heute 84 Jahre alt. Er ist schwer zuckerkrank, ihm fehlt der linke Fuß, und er ist nahezu blind. Inzwischen hört er auch schwer, wie ein Medienmanager berichtet, der den Alten neulich in seinem Büro in der Münchner Kardinal-Faulhaber-Straße besucht hat. Kirch sei geistig hochpräsent, und es gelinge ihm mit seiner Ausstrahlung immer noch, Menschen jeden Alters in seinen Bann zu ziehen.

In den vergangenen Jahrzehnten hatten nur wenige die Gelegenheit, dem Unternehmer persönlich zu begegnen. Kirch ist, was die Öffentlichkeit betrifft, scheu. Er hat in seinem Leben nur eine Handvoll Interviews gegeben, und es gibt auch kaum Fotos von ihm. Eines der wenigen stammt vom 8. Mai 2008, als Kirch bei der Hochzeit von Altbundeskanzler Helmut Kohl und Maike Richter einer der beiden Trauzeugen war.

Der andere Trauzeuge war Kai Diekmann, Chefredakteur der Bild - Zeitung, die im Axel Springer Verlag erscheint, der Kirch einst zu 40 Prozent gehörte. Auch um den Verlust dieser Aktien streitet Kirch mit der Deutschen Bank. Er wirft Breuer und der Bank vor, den Untergang seines Medienimperiums verschuldet zu haben. Die Bank hält dagegen. Kirch wolle mit seinen Schuldzuweisungen von seiner Verantwortung für die Megapleite ablenken.

In dem Prozesskrieg kommt es am Freitag zu einer Premiere. Leo Kirch muss in einem weiteren Verfahren als Zeuge vor dem Oberlandesgericht München erscheinen. Er war schon einmal für einen Termin Ende Januar geladen, hatte aber wegen einer heftigen Bronchitis absagen müssen. Jetzt geht es ihm wieder besser. Vertraute berichten, er werde kommen.

Auch wenn nun erstmals die Hauptfigur des Dramas auftritt, findet dieses Verfahren auf einem juristischen Nebenkriegsschauplatz statt. Der Kläger ist nicht Kirch selbst, sondern eine Firma namens Kirch Group Litigation (KGL) Pool GmbH. Es handelt sich um eine mit wenig Kapital ausgestattete Zweckgesellschaft, mit der 17 insolvente Tochterunternehmen der früheren Kirch-Gruppe Schadensersatz geltend machen wollen. Sie fordern fürs Erste gut zwei Milliarden Euro von Breuer und der Deutsche Bank.