Wer Angela Merkel auf eine Luftfahrtmesse begleitet, wähnt keine Kanzlerin neben sich, sondern eine leidenschaftliche Bewunderin. Sie schwärmt vom "technischen Meisterstück", dem Großraumflieger Airbus A380 . Die promovierte Physikerin ist sichtlich beeindruckt, wie nah das Flugzeug an die Grenzen des Machbaren rückt.

In diesen Tagen aber wird aus dieser Schwärmerei staatspolitischer Ernst. Es geht um die größte industriepolitische Entscheidung seit der Beteiligung des Bundes an der Commerzbank. Deutschland muss sich entscheiden, welche Rolle es künftig im Luft- und Raumfahrtkonzern EADS – und damit auch bei dessen Unternehmenstochter Airbus – spielen will. Zu gern hätte Merkel diese Debatte vertagt. Doch der bisherige Aktionär Daimler, der quasi die deutschen Interessen vertritt, will die Hälfte seiner EADS-Anteile verkaufen. Am Mittwoch berieten darüber führende Regierungspolitiker im Kanzleramt.

Diskutiert werden verschiedene Modelle, sogar ein direkter Einstieg der Bundesrepublik.

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Ole von Beust, bis vor Kurzem Hamburger Bürgermeister (CDU), sagt: "Eine vorübergehende Staatsbeteiligung zur Stabilisierung des Unternehmens und zur Vermeidung von Disparitäten im deutsch-französischen Verhältnis würde ich unterstützen." Von Beust arbeitet inzwischen bei der Unternehmensberatung Roland Berger und erinnert daran, welch gute Erfahrungen Hamburg mit einem zeitweisen Einstieg bei Unternehmen wie Beiersdorf und Hapag-Lloyd gemacht hat – solange "der Staat keinen Einfluss auf das operative Geschäft nimmt".

Angela Merkel schweigt zu diesem Thema, aber ihr wichtigster Mann im EU-Parlament, der CDU-Abgeordnete Elmar Brok, hat eine eindeutige Meinung. "Der unmittelbare Staatseinfluss scheitert in erster Linie an der FDP." Die Union, so muss man das interpretieren, wäre wohl weniger festgelegt.

Aus dem Umfeld des Kanzleramts wurde kolportiert, man wolle Daimler eher mit einer Verkaufsprämie für Elektroautos zum Halten der EADS-Anteile bewegen. Als Nächstes machten Anfang der Woche Gerüchte die Runde, eine Goldene Aktie solle den Einfluss Deutschlands absichern, ähnlich wie bei VW. Dort hat sich das Land Niedersachsen durch Sonderregeln einen überproportionalen Einfluss organisiert, um gehörig mitzureden. EADS selbst brachte einen Aktienrückkauf ins Spiel.

Diese Lösungen haben eines gemein: Sie mögen für die FDP leichter verdaulich sein, aber sie sind rechtlich heikel und ökonomisch instabil. Kauft der Konzern viele Aktien zurück, fehlt ihm langfristig das Geld für den Start des neuen Fliegers A350 und kurzfristig für Zukäufe im Ausland. Zur Goldenen Aktie sagt der frühere EU-Industriekommissar Günter Verheugen (SPD) aus eigener Erfahrung: "Die Kommission hält davon wenig, aus Sorge vor einer Einschränkung der Kapitalverkehrspreise." Seit Jahrzehnten kämpfen die Wettbewerbskommissare gegen solche Schutzinstrumente. Und einen Konzern wie Daimler durch Wohltaten an anderer Stelle zu einer betriebswirtschaftlich nicht gebotenen Handlung zu bewegen hinterlässt bei Experten ein mulmiges Gefühl.