Solide. Mein erster Eindruck, als ich vor ihm stehe. Vielleicht eine Spur langweilig. Beflissen, macht alles richtig. Sparsam, geräumig, vernünftig. Ist aber auch so aufregend wie eine Kreissparkasse. Wegen der Außenwirkung werden wohl nur wenige Menschen einen VW Touran fahren. Seine inneren Werte sind gut verborgen unter dem kantigen, kastenförmigen Äußeren. Aber sie werden erkannt. Im Marktbereich der so genannten Kompakt-Vans ist fast jedes zweite Auto ein Touran. Auch in unserem Bekanntenkreis ist er beliebt, vor allem bei Menschen mit vorhandenem oder geplantem Nachwuchs. Als Siebensitzer ist er ideal, um neben den eigenen auch noch die Nachbarskinder zum Fußballtraining zu chauffieren. "Toller Wagen, aber ich finde ihn irgendwie uninspirierend", sagt eine Freundin, selbst seit Jahren überzeugte Touran-Fahrerin.

Ist das nicht ein Widerspruch? Nein, der Touran sei eben, sie überlegt kurz… solide. Ein Symbol für Stabilität und Sicherheit – aber eben ein bisschen bieder. Man sieht nur selten farbenfrohe Modelle auf den Straßen. Wegen des Wiederverkaufswerts.

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

Ich suche die Inspiration beim Familienausflug an die Ostsee. Einmal Berlin–Eckernförde und zurück, 760 Kilometer mit nur einem Tankstopp. Die Stimmung ist entspannt. Die Kinder singen lautstark die Lieder ihrer Lieblings-CD: "Blauer Himmel, Wellen, weißer Strand, und kein Wölkchen weit und breit". Vor ein paar Jahren musste das elterliche Reise-Musikprogramm aus Soul und Jazz um Ritter Rost und Solino Club erweitert werden. "Mücken, Autobahnen, Sonnenbrand – wie herrlich ist die Urlaubszeit", ertönt es zweistimmig von hinten. Der Wagen gleitet mit 140 km/h dahin. Die Eltern singen aus Solidarität mit, inzwischen kennt man den Text. Glückliche Kinderaugen. Ich rutsche tiefer in den Fahrersitz und genieße das wohlige Gefühl, nachdem ich die Sitzheizung ein paar Grad höher gedreht habe.

Wusch! Plötzlich fegt ein heftiger kalter Windstoß die Harmonie hinweg. Das Schiebedach hat sich geöffnet. Mein achtjähriger Filius steht hinter dem Beifahrersitz, die Hand noch am Knopf. "Mama, Papa – das geht ganz leicht zu bedienen." Offenbar kinderleicht. Die Eltern sind geschockt, die kleine Schwester klatscht begeistert in die Hände: "Hurra, wir fahren ein Cabrio!" Den Rest der Fahrt schmollen die Kinder, weil sie nichts mehr anfassen dürfen. Immerhin: Sie hat der Wagen auf jeden Fall inspiriert.

Technische Daten
Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 125 kW (170 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 8,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 213 km/h
CO2-Emission: 151 g/km
Durchschnittsverbrauch: 5,7 Liter
Basispreis: 26.800 Euro

Jeannine Kantara arbeitet im ZEIT-Hauptstadtbüro