Und wenn das nicht klappt? "Denk über deine nächste Idee nach", steht da, "es macht uns nichts aus, dich ein zweites Mal zu sehen."

Die Unterstützung von HackFwd soll den Geeks helfen, sich voll aufs Tüfteln zu konzentrieren. Und aufs Ballern – jedenfalls im Fall von Arne und Helge Wieding. Die Brüder programmieren ein Panzerspiel, das man im Web-Browser mit seinen Onlinefreunden spielen kann. Per Videokonferenz überzeugten die Entwickler Hinrichs von der Idee und trafen sich kurz darauf beim Notar, um die Verträge zu unterschreiben. Arne Wieding sagt: "Als Lars Hinrichs plötzlich dastand, war das, wie wenn man einen Fernsehstar trifft."

Der Öffentlichkeit wird dieser Star zum ersten Mal im Jahr 1994 präsentiert, als "Computerfreak" in einem Spiegel -Artikel. Seit fünf Jahren wählt er sich da schon ins Internet ein, anfangs mit einem Akustikkoppler. Um die Telefonkosten abzustottern, schuftet er nach der Schule im Baumarkt.

Für einen Chef zu arbeiten hält der Spross einer Hamburger Unternehmerfamilie aber nicht lange aus. Am PC tippt er ein Internetkonzept für eine Firma, tauscht dann den Namen des Unternehmens immer wieder aus und verkauft dasselbe Papier so an unzählige Abnehmer. Seitdem ist er auf der Jagd nach "skalierbaren Geschäftsmodellen", bei denen der Ertrag stärker steigt als der Mitteleinsatz.

In den neunziger Jahren half er, die Bundeswehr ins Netz zu bringen

Hinrichs skaliert auch sein Leben. Als Leistungskurse wählt er Gemeinschaftskunde und Deutsch, weil dort mit "minimalem Input maximaler Output" zu holen ist. An der Uni Witten-Herdecke, an der er sich später einschreibt, hält er es nur einen Tag lang aus. An diesem Tag lernt er: Man muss nicht alles selbst können – es genügt, wenn man die Leute einkauft, die es können.

Im Herbst 1996 kommt er als Wehrdienstleistender auf die Hardthöhe nach Bonn. In ein kleines Büro mit einer Leitung in die große neue Internetwelt. Er kommt zu Oberstleutnant Heinrich Lebek. "Hinrichs war nicht gerade von Bescheidenheit geplagt, aber er hat mich mit seinen Visionen in eine Welt gelockt, in der ich immer noch lebe", sagt Lebek, der heute pensioniert ist und mehrere Homepages pflegt. Bis Mitte 1997 hilft Hinrichs Lebek, die Bundeswehr ins Internet zu bringen, und bekommt dafür eine Ehrenmedaille – maximaler Output. Auf der Hardthöhe lernt Hinrichs Peer-Arne Böttcher kennen. Nach ihrem Wehrdienst starten sie eine Politikplattform im Netz, die vom Grimme-Institut prämiert wird. Politik im Netz ist damals etwas Neues, aber nichts, womit sich Geld verdienen lässt. Also gründen sie eine Kommunikationsberatung und Softwareschmiede, die Böttcher Hinrichs AG. In Rekordzeit verbrennen sie drei Millionen Mark Risikokapital. Kurz nachdem die Internetblase im Jahr 2000 platzt, sind auch Unternehmen und Freundschaft am Ende.

Die Insolvenz bezeichnet Hinrichs später stets als "teuersten MBA-Kurs der Welt". Er notiert 100 Dinge, die schiefgelaufen sind. Seitdem gibt es nur noch einen Chef in seinen Unternehmen: ihn selbst. Auf einer Kubareise liest er das Buch The Tipping Point . Darin schreibt der US-Journalist Malcolm Gladwell über die Macht von Sozialen Netzwerken und "Konnektoren", die Ideen und Menschen zusammenbringen. Zurück in Deutschland, gibt Hinrichs fast sein ganzes Geld für sein nächstes Projekt aus und wird Konnektor. Einfach soll das Produkt dieses Mal sein und klein das Unternehmen. Das ist Open BC: Auf der Plattform kann sich jeder kostenlos mit seinen Geschäftskontakten vernetzen. Nur wer besondere Funktionen nutzen will, muss zahlen. Nach 90 Tagen ist das Unternehmen profitabel. Im Jahr 2006 bringt Hinrichs es unter dem Namen Xing an die Börse, da ist er keine 30 Jahre alt. Als er dem Vorstand im Jahr 2008 den Rücken kehrt, zählt Xing bereits 6,5 Millionen Mitglieder, inzwischen sind es mehr als zehn Millionen. Mit rund 2600 von ihnen ist Hinrichs heute bei Xing verbunden.