1. Bedroht der Umbruch in Libyen die deutsche Ölversorgung?

Libyen war 2009 nach Russland, Norwegen und Großbritannien Deutschlands viertwichtigster Öllieferant. Rund acht Prozent der deutschen Rohöleinfuhr kommen aus dem nordafrikanischen Land. Allerdings spielt Libyen auf dem Weltmarkt eine deutlich kleinere Rolle; nur zwei Prozent der weltweiten Ölförderung stammten 2009 aus libyschen Quellen. Kurzfristig ist deshalb weder mit Störungen der Ölversorgung zu rechnen noch mit ungebremst steigenden Preisen.

Durch die Unruhen im Land ist Libyens tägliche Ölproduktion nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) von Ende vergangener Woche zwar ungefähr halbiert worden; um den Ausfall zu kompensieren, habe aber Saudi-Arabien seine Förderung bereits gesteigert , so die IEA. Außerdem verfügen die westlichen Verbraucherländer über immense Lagerbestände. Allein in Deutschland betragen sie rund 40 Millionen Tonnen; das entspricht etwa zwei Fünftel der jährlichen Rohöleinfuhr.

Dass der Ölpreis jetzt trotzdem kräftig gestiegen ist, liegt an Panikkäufen, an der Furcht vor Lieferausfällen in weiteren Förderländern und an spekulativen Ölkäufen. "Viele Hedgefonds wetten schon seit Monaten auf steigende Ölpreise", sagt der Hamburger Energieexperte Steffen Bukold.