Matthias Bähr war schneller als Opel, wendiger als Volkswagen und flinker als Toyota. Die Frage ist nur, ob er seinen Vorsprung halten kann. "Das hier ist unser Prototyp", sagt Bähr in seiner Werkstatt im Dresdner Norden. Er zeigt auf einen gelben Kleinwagen. Die Beschriftung weist das Auto als Chevrolet Matiz aus. Doch im Inneren steckt ein Elektroantrieb – konstruiert von Bähr. "Mit einer Akkuladung kommen Sie 120 Kilometer weit", sagt er. "Auf Asphalt ist der Wagen flüsterleise." Nur beim Beschleunigen klinge der Motor ein bisschen nach Straßenbahn.

Bähr ist ein Pionier. Zwar hatte Werner Siemens schon 1882 den elektrisch betriebenen Kutschenwagen präsentiert, doch das Fahren mit Strom setzte sich nie durch. 2005 erklärten selbst jene Autohersteller den Markt für tot, die noch Elektroautos bauten. Angeblich fanden sich keine Käufer. Bähr aber sah die Chancen. Seit einigen Jahren betreibt der 53-Jährige eine Firma für Gebäudereinigung, in der es auf niedrige Betriebskosten ankommt. "Ein Elektroauto fährt billiger als ein Benziner", sagt Bähr. "Ich habe damals für weniger als 10.000 Euro den kleinen Chevrolet gekauft und drei Jahre an der Umrüstung getüftelt."

Heute beschäftigt der gelernte Flugzeugmechaniker drei Angestellte, die routiniert in den Chevrolets Benzinmotoren durch Elektroantriebe ersetzen. Mehr als 20 Fahrzeuge ließ Bähr schon umbauen und verkaufte sie unter dem Namen CitySax. Stückpreis: 39.000 Euro. "Unser zwanzigster Wagen wird auf Sylt an Urlauber vermietet", sagt er. Vermutlich war Bähr der Erste in Deutschland, der mit Elektroautos für den Straßenverkehr Geld verdiente. Doch sein Vorsprung schrumpft. Besonders viel Konkurrenz erwächst ihm in Sachsen.

Elektromobilität sei Chefsache, verkündet Regierungschef Tillich

In kaum einer anderen Region Deutschlands wird zur Elektromobilität derzeit so viel getestet und geforscht. So suchen Wissenschaftler der TU Dresden nach Verkehrskonzepten der Zukunft, aus Kamenz soll bald die beste Batteriezelle der Welt kommen, und bei Leipzig investiert BMW 400 Millionen Euro in eine mobile Zukunft mit Strom. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat das Thema gerade zur Chefsache erklärt. "Wir haben drei große Automobilhersteller bei uns und entsprechend mehr als 70.000 Leute in der Zulieferindustrie", sagt er. "Die sollen nicht in die Röhre gucken, wenn der Boom urplötzlich losgeht."

Wann die meisten Menschen elektrisch fahren werden, können alle nur schätzen. Gewiss ist: Irgendwann geht das Erdöl zur Neige und damit das Benzin. Renault und Nissan wollen in den nächsten Monaten Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen. Opel stellte kürzlich ein Hybridauto mit einer Kombination aus Benzin- und Elektroantrieb vor, den Ampera. VW und Audi wollen nachziehen.

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos Ende Januar hat sich Stanislaw Tillich über die Entwicklungen in Asien informiert. Besonders China nehme das Thema sehr ernst, sagt er. Man müsse sich anstrengen, auch wenn die Ausgangsbedingungen in Sachsen gut seien. "Nach Einschätzung nationaler und internationaler Experten sind wir das einzige Bundesland, das über die gesamte Wertschöpfungskette beim Elektroauto verfügt", sagt Tillich. Und die Wertschöpfungskette beginnt bei der Batterie.

Fast alle Batteriezellen kommen aus Asien – die besten bald aus Kamenz?

Über kein anderes Bauteil haben sich Forscher derart den Kopf zerbrochen. Die Batterie ersetzt im Elektroauto den Tank – braucht aber deutlich mehr Platz. 50 Liter Benzin reichen heute für bis zu 1000 Kilometer. Um die gleiche Strecke mit Strom zu bewältigen, müsste man einen Anhänger voller Akkus mitnehmen: Die meisten Elektroautos kommen höchstens 150 Kilometer weit. 

Im sächsischen Kamenz beschäftigt sich der Verfahrensingenieur Henrik Hahn mit diesem Problem, er hat mit seinem Team ein Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst entwickelt. Es wirkt auf den ersten Blick unscheinbar – ein Material, das anmutet wie Toilettenpapier: weiß, weich und federleicht. Hahn lächelt über den Vergleich. "Das ist Keramik", sagt er, "in Gestalt einer hauchdünnen, flexiblen Folie." Er reißt einen Streifen von der Rolle; ein Hauch feinen Staubes wirbelt um seine Finger.