Der israelische Künstler Guy Ben-Ner hat eine recht besondere Beziehung zum Möbelhaus Ikea. Für eines seiner umwerfenden Videos ist er dort eingezogen, samt Familie. Sie nutzten die Betten, lümmelten auf den Sofas, stritten in der Einbauküche und filmten sich zwischen Billy und Klippan. Keineswegs nur die übergeschnappte Vision eines Künstlers: Mit seiner Frau und den beiden prospekttauglichen Kindern wäre Guy Ben-Ner der ideale Käufer für eines der Fertighäuser, die Ikea seit Neuestem auch in Deutschland anbietet.

Auf dem Parkplatz des Ikea-Einrichtungshauses in Wallau, gleich unterm Werbemast mit dem blau-gelben Logo, wartet seit März 2010 ein ebenso unscheinbares wie überraschend unschwedisch aussehendes Musterhaus auf Gäste. An drei Tagen der Woche kann es an wenigen Stunden besichtigt werden. Wer es betritt, benimmt sich unwillkürlich, als spaziere er durch die Möbelabteilung: irgendwie behutsam und auf jeden Fall mit Zuschauern rechnend. Und so wie man alte Bekannte schon an ihrem Parfum vorausahnt, erkennt man auch Ikea am Geruch: Holz und sehr viel irgendwas.

Natürlich sieht in dem Haus dann alles genau so aus, wie man es erwarten durfte. Vom Boden bis zur Decke (2,50 Meter) ist alles auf Ikea eingestellt, und noch in die kleinste Ecke fügt sich ein Schubladenelement. Die Reihenhäuser gibt es zwei- oder dreigeschossig mit Wohnflächen von 84 bis 134 Quadratmetern. Das Musterhaus verfügt über 102 und hinterlässt einen etwas beengten Eindruck. So tönt es auch bei einer nicht repräsentativen Blitzumfrage im angegrauten Bekanntenkreis: zu klein und zu studentisch. In jungen Jahren hätte man sich das noch gefallen lassen.

"Lieber mehr Spaß und weniger Quadratmeter", heißt das bei Ikea. Was meint: Entscheidend ist der Preis. Die kleinsten Häuser kosten 179500 Euro, inklusive Grundstück. Fußboden liegt noch keiner drin, dafür gibt es ein Stück Garten und statt eines Kellers einen Schuppen vor dem Haus. Auf Wunsch der Kunden gibt es in Deutschland auch eine Variante mit Giebeldach. Das sieht nur unwesentlich besser, dafür aber ein bisschen mehr nach Haus und weniger nach Unterkunft aus.

Auch Wohnungen hat Ikea mittlerweile im Angebot. Zwei Zimmer (50 Quadratmeter) sind für 99500 Euro zu haben. Gratis dazu bekommen die Käufer Ikea-Einrichtungsgutscheine in Höhe von bis zu 1000 Euro. "BoKlok", was so viel heißt wie "Wohne klug!", nennt sich das Eigenheimschnäppchen.

Sein Haus darf man allerdings nicht einfach irgendwo aufstellen. Bislang sind Siedlungen in Wiesbaden-Auringen (Auf den Erlen) und in Offenbach bei Frankfurt (An den Eichen) vorgesehen. Etliche mehr könnten folgen.

In Skandinavien und Großbritannien sollen schon mehr als 4000 Ikea-Häuser stehen. In Deutschland warnte im vergangenen Jahr die Stiftung Warentest, bemängelte komplizierte, riskante und intransparente Verträge und anderes mehr. Ikea besserte nach, sodass Unternehmenssprecherin Sabine Nold bald mit dem "Baustart" rechnet. Sie versichert, dass bereits Häuser verkauft wurden. Wie viele und an wen ist noch nicht in Erfahrung zu bringen.

Kein Geheimnis macht sie daraus, dass es in Deutschland größere Anlaufschwierigkeiten gegeben habe. Wohl auch, weil man hierzulande im Eigenheim doch noch den Ewigkeitswert sucht. Bettwäsche kaufen wir eben gern im Vorbeigehen, Häuser lieber nicht vorübergehend.