ZEIT: Was wünschen Sie Ihren Kindern, eine Karriere bei Ryanair?

O’Leary: Lieber nicht, das ist gefährlich, wenn man selber erfolgreich war. Die nächsten Manager sollen nicht O’Learys sein, sondern Deutsche, Spanier oder Polen. Die Generation nach mir im Management muss sich dann mit Lobbyarbeit rumschlagen und Interviews geben, wie sehr Ryanair sich um die Umwelt kümmert. Und dass die Kunden recht haben, selbst wenn sie Unfug erzählen.

ZEIT: Ihr Vermögen wird auf 300 Millionen Euro geschätzt, und Sie gehen noch immer morgens um halb sieben ins Büro. Treibt Sie Geld noch an?

O’Leary: Nein, nie. Es ging immer ums Gewinnen. Ein kleines irisches Unternehmen zu haben, ins Ausland zu gehen und die Briten, Franzosen, Deutschen, Spanier und Italiener zu schlagen.

ZEIT: Und das war aufregend?

O’Leary: Jedes Jahr, in dem wir Profite und niedrige Preise verkünden konnten, hat Spaß gemacht.

ZEIT: Was ist passiert in gerade mal 25 Jahren?

O’Leary: Die Billigflieger haben das Zusammenwachsen Europas ungeheuer unterstützt. Wir haben die Auswanderung innerhalb Europas im Grunde beendet, denn heute kann jeder am Wochenende nach Hause fliegen. Das ist doch toll.

ZEIT: Welche Menschen nutzen Ryanair?

O’Leary: Alle. Geschäftsleute, junge Leute, alte, Verheiratete, Verliebte, Familien mit Kindern, Auswanderer. Selbst Tony Blair ist schon mit uns geflogen.

ZEIT: Denken wir mal an 2014. Michael O’Leary züchtet Pferde. Was wird dann Ihr unternehmerischer Nachlass sein?

O’Leary: Wir haben den Luftverkehr in Europa dauerhaft verändert. Die Menschen werden nie wieder 200 Euro für einen innereuropäischen Flug bezahlen. Die Businessclass auf der Kurzstrecke ist tot. Wir haben die Art, wie der Luftverkehr organisiert wird, verändert. Es ist nicht länger ein Luxusgut für das reichste Prozent der Menschheit. Wir sind das Ikea der Luftfahrt.

ZEIT: Im vorigen Jahrzehnt feierten die Billigflieger ihren Durchbruch. Was kommt in diesem?

O’Leary: Wahrscheinlich gibt es am Ende des Jahrzehnts noch vier, fünf sehr große Fluggesellschaften: Air France/KLM, British Airways, Lufthansa, Ryanair und vielleicht easyJet. Drei davon werden den Langstreckenverkehr dominieren. Sie werden alle mit einer amerikanischen und einer asiatischen Fluglinie fusioniert haben. Und Europa gehört uns. Air Berlin wird bis 2020 von der Lufthansa gekauft oder gerettet worden sein. Am Ende werden die Deutschen noch mehr fürs Fliegen zahlen.

ZEIT: Was war in all den Jahren, seit Sie am Ruder sind, der größte Fehler von Rivalen wie der Lufthansa?

O’Leary: Sie haben nicht ernst genommen, dass die Leute weniger Geld für sicheres Fliegen ausgeben wollen. Die Lufthansa versucht noch immer krampfhaft, die Leute davon zu überzeugen, dass sie 700-Euro-Businessclass-Flüge auf Kurzstrecken wollen. Aber da machen die nicht mit.

ZEIT: Wer hat Ihnen beigebracht, dass keine Extras ziemlich sexy sein können?

O’Leary: Southwest Airlines in den Vereinigten Staaten. Deren Modell haben wir kopiert.