Fast täglich steuert die 86 Jahre alte Helene Metz ihren Mercedes zu den Metz-Werken in der mittelfränkischen Kleinstadt Zirndorf. Von dort sind es nur wenige Kilometer bis zu ihrem Wohnhaus. "Wenn die Ampeln grün sind, schaff ich die Strecke in drei Minuten", sagt die Inhaberin des Familienunternehmens. Nachdem sich die Schranke am Werkstor geöffnet hat, fährt sie an den Lager- und Produktionshallen vorbei zur Hauptverwaltung. Gleich der erste Parkplatz am Eingang ist für ihre silbergraue Limousine reserviert.

Ende Juli zog sich Helene Metz aus der Geschäftsführung zurück. Zur Ruhe gesetzt hat sich die Witwe des Firmengründers aber noch nicht. Sie ist weiterhin aktiv als Vorsitzende des Firmenbeirats. Zudem sitzt sie dem Vorstand der Paul und Helene Metz-Stiftung vor. "Ich bin jederzeit zur Stelle, wenn jemand Rat braucht", sagt die Unternehmerin und bekennt: "Die Firma ist für mich wie ein zweites Zuhause."

Metz gehört neben Loewe und Technisat zu den letzten drei Fernsehgeräteherstellern in Deutschland. Doch alle anderen haben die Produktion hierzulande längst aufgegeben und sind als eigenständige Unternehmen untergegangen, darunter viele einst klangvolle Namen. Grundig zum Beispiel gehört zur türkischen Koç-Gruppe. Nordmende, Saba oder Telefunken sind im französischen Thomson-Konzern aufgegangen. Die Fabriken sind geschlossen. Nur mit den Markenrechten werden immer mal wieder Geschäfte gemacht.

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Metz hat durchgehalten. In Zirndorf nahe Nürnberg baut das Unternehmen pro Jahr zwischen 90.000 und 100.000 Fernseher zusammen. Verkauft werden die Geräte überwiegend in Deutschland, Österreich, Italien sowie in der Schweiz. "Wertmäßig liegt unser Anteil am gesamten TV-Markt hierzulande ziemlich stabil bei circa 4 Prozent", sagt Norbert Kotzbauer, Geschäftsführer der Metz-Werke GmbH & Co KG, die 660 Mitarbeiter beschäftigt und 2010 einen Umsatz von rund 130 Millionen Euro erzielt hat. Der Löwenanteil – rund 76 Prozent – wurde im Fernsehgeschäft erwirtschaftet, der Rest entfiel auf Blitzgeräte für Kameras (13 Prozent) sowie Kunststoffteile.

Was ist das Geheimnis von Metz? Warum hat das Familienunternehmen in Deutschland überlebt, während sich die Fernseherherstellung weitgehend nach Asien verlagert hat? Der Erfolg der Zirndorfer hat etwas mit einer starken Beziehung der Kunden zur Marke zu tun und ihrem Bedürfnis nach persönlicher Beratung.

Im Vergleich zu TV-Weltmarktführer Samsung, der im Vorjahr etwa 50 Millionen Fernsehapparate abgesetzt haben dürfte, sind die Metz-Produktionszahlen ein Klacks. Doch auf möglichst hohe Stückzahlen kommt es den Franken nicht an. "Bei uns steht nicht das Wachstumsdenken im Vordergrund, sondern langfristige Markenbildung", betont Kotzbauer. Das erklärt auch das Vertriebskonzept. Metz-Fernseher gibt es nur im Fachhandel, bei Discountern wie Saturn oder Mediamarkt sucht man sie vergebens. Bei Metz lehnt man Rabattschlachten und Preisaktionen ab. "Solche Aktionen würden die Marke beschädigen", sagt Kotzbauer.

Eher vorsichtig agiert man in Zirndorf auch bei technologischen Neuerungen. So begann die Umstellung von den Röhrengeräten auf moderne LCD-Fernseher erst im Jahr 2005. Bis dahin hatten andere Hersteller solche Geräte schon längst im Programm. "Wir sind keine Innovationsführer, sondern setzen auf ausgereifte Technik", erklärt der Firmenchef. Dazu gehört beispielsweise die energieeffiziente LED-Technologie, die eine bessere Bildqualität verspricht. Die Mehrzahl der Metz-Produkte ist mittlerweile damit ausgestattet.

Zudem hat die Entwicklungsabteilung das sogenannte 3-D-Fernsehen sowie das neue HbbTV im Auge. Beim HbbTV – Hybrid Broadcast Broadband TV – werden Internet und TV-Inhalte miteinander verknüpft. Den Händlern jedenfalls gefallen die Geräte aus Zirndorf. Bei Händlerumfragen des Bundesverbands Technik des Einzelhandels (BVT) schaffte das Unternehmen im Jahr 2009 bereits zum 13. Mal in Folge den ersten Platz. Bewertet wurden dabei Aspekte wie der Kundendienst des Herstellers sowie sein Sortiment. Ähnlich gut schneiden die Zirndorfer bei den Umfragen des Düsseldorfer Brancheninformationsdiensts markt intern ab: Dort belegen sie in der Bewertung des Fachhandels schon seit 20 Jahren den ersten Rang. Bestnoten erhielten sie unter anderem für die Produktqualität. Dafür müssen die Kunden aber auch einiges hinblättern. Schon der billigste Metz-Apparat kostet rund 1200 Euro, für das Topgerät mit 55-Zoll-Bildschirm (140 Zentimeter) sind 6500 Euro fällig. "Das ist viel Geld", gesteht der promovierte Betriebswirt ein, "aber ich behaupte, das ist es wert."