Das waren unbequeme Nachrichten, nicht nur für Yunus, sondern auch für seine illustre internationale Fangemeinde. Frau Clinton und Wirtschaftsgrößen wie Bill Gates samt seiner Stiftung hatten sich in den letzten Jahren für das Mikrokreditwesen starkgemacht. Sie halten es für eine effektive, marktorientierte Armenhilfe – und entsprechend große Summen stellten sie bereit.

Sie taten dies erst recht, als nach der westlichen Finanzkrise kein Kreditgeschäft so sichere Gewinne abzuwerfen schien wie das mit den Armen. Die Idee funktionierte – im Kern. Doch die Branche übernahm sich, vor allem in Indien. Hier entwickelte sich das Verleihen kleinster Geldsummen, das einmal mit einem No-Profit-Motiv begonnen hatte, binnen weniger Jahre zu einer sechs Milliarden Dollar starken Finanzindustrie.

Der große Rückschlag kam im vergangenen Oktober, als die Regierung des indischen Bundesstaates Andhra Pradesh die Vergabe neuer Kredite kurzerhand unterband. Das war damals keineswegs ein Willkürakt: Vorausgegangen war nämlich eine Serie von Selbstmorden unter den Kunden der Mikrokreditbanken . Bald meldeten Rating-Agenturen, dass bis zu 70 Prozent der indischen Mikrokreditnehmer nicht mehr zur Rückzahlung fähig waren.

Spätestens da geriet auch Yunus in die öffentliche Kritik. Er reagierte mit differenzierten Argumenten, die viele nicht verstanden. Er unterschied zwischen »guten« Mikrokreditinstituten und »schlechten«. Die guten, wie seine Grameen Bank, steckten ihre Gewinne immer nur wieder in das eigene Geschäft.

Yunus betonte auch stets, dass seine Bank zu mehr als 90 Prozent im Besitz ihrer Kunden sei. Die »schlechten« Mikrokreditinstitute hingegen arbeiteten nur für den eigenen Gewinn und einen geplanten Börsengang. »Das eigentliche Ziel von Mikrofinanzleuten ist die finanzielle Einbindung der Armen und nicht das Profitmachen, sonst werden sie zu Kredithaien«, wetterte Yunus.

Doch da hatte ihn die Realität der Finanzbranche längst überholt. Denn überall in der Welt wirtschafteten Mikrokreditinstitute längst nach Marktgesetzen – so wie es andere Banken auch tun. Zu ihnen gehörte die von ihm gegründete Grameen Bank. Sie fuhr gute Gewinne ein.

Solche Widersprüche fielen der Regierung in Bangladesch auf, wo Yunus der Premierministerin Sheikh Hasina Wajed schon seit längerer Zeit ein Dorn im Auge war. Yunus war international angesehener als sie und verurteilte die Politik in Bangladesch auch gern in der Öffentlichkeit als »korrupt«.

Nun schlug Hasina Wajed zurück. Sie benutzte die Recherchen von Heinemann öffentlich gegen Yunus und verdonnerte schließlich ihre Zentralbank dazu, ihn abzusetzen. Diese Zuständigkeit hat die Bank, auch fand sich ein gesetzeskonformer Grund: Yunus ist mit 70 Jahren nach Behördenvorschrift zehn Jahre zu alt für seinen Posten. Doch natürlich war dies eigentlich eine politische Finte.

Nun will Yunus dagegen gerichtlich und mithilfe Washingtons vorgehen. Das Opfer der Geschichte wird aber am Ende nicht er sein. Was auf der Strecke zu bleiben droht, ist die selbstkritische Reflexion aller Beteiligten über Yunus’ große Idee.