"Importantísimo. Crucial." Äußerst wichtig. Entscheidend. Die knappen Kommentare auf den Gängen der spanischen Zentralbank sollen keinen Zweifel an der Bedeutung der nächsten drei Wochen für Spaniens Zukunft lassen. Nachdem Zentralbankchef Miguel Angel Fernández Ordoñez bekannt gegeben hat, wie hoch die einzelnen Kernkapitalquoten der von der Immobilienkrise gebeutelten Kreditinstitute des Landes sind, müssen die Geldhäuser bis spätestens zum Monatsende einen Plan vorlegen, wie sie die auf mindestens acht Prozent erhöhte Quote erreichen wollen. Sie können private Investoren zulassen, an die Börse gehen, Beteiligungen verkaufen oder um staatliche Hilfe bitten.

So hat es die Regierung des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero entschieden, um damit die anhaltende Skepsis an der Solidität des spanischen Finanzsystems auszuräumen und die Spekulationen zu beenden, das Land sei nach Irland mit seinen maroden Banken womöglich der nächste Kandidat für den EU-Rettungsschirm. Doch so leicht sind die Kritiker nicht zu überzeugen.

Unter anderem mit Hinweis auf die hohen Kosten für die Sanierung der Sparkassen drehte die Rating-Agentur Fitch Ende voriger Woche den Ausblick für die Bonitätsnote spanischer Staatsanleihen ins Negative. Das ist üblicherweise die Vorstufe zu einer Abwertung. Sie würde Spaniens Schuldenproblem erheblich verschärfen und könnte den Albtraum der Euro-Partner Realität werden lassen: Sollte die viertgrößte Wirtschaftsmacht des Euro-Raums Milliardenhilfen benötigen, wäre der EU-Rettungsfonds vermutlich überfordert.

Das Kernkapital eines Kreditinstituts ist die sicherste Form von Eigenkapital. Nach Lage der Dinge wird von den großen "Cajas de Ahorro" nur La Caixa aus Barcelona die Hürde auf Anhieb überwinden. Spaniens Sparkassen stehen deshalb im Fokus, weil sie während des mehr als zehn Jahre dauernden heimischen Immobilienbooms sorglos einen Großteil jener Darlehen vergaben, die seit dem Platzen der Blase 2007 als faul eingestuft werden müssen.

Laut Zentralbank summierte sich das Immobilienrisiko der Cajas zum Ende des vergangenen Jahres auf rund 100 Milliarden Euro. Das sind 46 Prozent der insgesamt 217 Milliarden Euro an Hypothekendarlehen, die in den Büchern der Sparkassen stehen. Zigtausende säumige Schuldner wurden inzwischen gepfändet , doch ihre Wohnungen lassen sich, wenn überhaupt, nur mit Abschlägen verkaufen.

Besonders gefährlich sind 40 Milliarden Euro, die die regional aufgestellten Institute Bauträgern zur Verfügung stellten. Die sollten mit dem Geld im Auftrag der Gemeinden neues Bauland erschließen. "Auf diesen Grundstücken ließen sich Millionen neuer Wohnung bauen, aber heutzutage reicht die Nachfrage ja nicht einmal für die bereits fertiggestellten", sagt José Luis Miró, Partner der Immobilienagentur Knight Frank. Auf dem Höhepunkt des Immobilienbooms wurden in Spanien Jahr für Jahr mehr als 800.000 Wohnungen gebaut – mehr als in Deutschland, Frankreich und Italien zusammen. Der Bedarf lag bei höchstens 400.000.

Auf Druck der Zentralbank schlossen sich die ursprünglich 45 regional aufgestellten Cajas bis zum Jahresende 2010 zu 17 größeren Instituten zusammen. Mit vereinten Kräften sollten sie die Last schultern. Den Finanzmärkten reichte dies jedoch nicht aus. Deshalb folgte die obligatorische Aufforderung, sich in Banken umzuwandeln, die für private Investoren offen sind. Die spanischen Sparkassen sind bisher als private Stiftungen ohne Gewinnzwang organisiert. Besonders schwachen Instituten, die keine privaten Interessenten finden, steht die Teilverstaatlichung bevor.

In den vergangenen Wochen gingen ranghohe Mitarbeiter des Sparkassenverbandes CECA und der Zentralbank auf Roadshow, um Investoren und Manager internationaler Investmentfonds von der Attraktivität der Institute zu überzeugen. Selbst Regierungschef Rodríguez Zapatero rührte die Werbetrommel und brachte von einem Staatsbesuch in Qatar und den Vereinigten Arabischen Emiraten Zusagen über 450 Millionen Euro mit zurück. Das ist allerdings selbst dann noch wenig, wenn man die Erwartung der Zentralbank zugrunde legt, wonach die Sparkassen allenfalls 20 Milliarden Euro frisches Kapital brauchen.