Den Weg zur nächsten Tankstelle kann jedes Navi anzeigen. Doch spätestens an der Zapfsäule endet das Zusammenspiel von Auto- und Datenverkehr. Benzin oder Diesel müssen an der Kasse bezahlt, Menge, Preis und Kilometerstand von Hand ins Fahrtenbuch eingetragen werden. Und wenn unterwegs die Motorleuchte blinkt, muss das Auto zur Fehlerdiagnose in die Werkstatt. Dabei ginge es auch einfacher: Die Zapfsäule könnte den Rechnungsbetrag direkt vom Konto abbuchen und die Daten ins elektronische Fahrtenbuch eintragen. Die Werkstatt könnte die Fehlermeldung der Bordelektronik aus der Ferne auslesen und bei Bedarf gleich das Ersatzteil ordern und einen Reparaturtermin vorschlagen. Voraussetzung dafür wäre ein Auto mit Internetzugang.

Bisher gibt es den nur in wenigen Modellen der Oberklasse, und er dient vor allem der Verwandlung des Autos in einen "Hotspot auf Rädern". Der Beifahrer kann mit seinem Laptop über das bordeigene Funknetz online gehen und das Autoradio Musik aus dem Internet spielen. Doch das ist nur der Vorgeschmack einer neuen Entwicklung in der automobilen Datenübertragung. Der Rechner soll diskret in den Hintergrund treten und wie ein dienstbarer WLAN-Geist Informationen liefern.

Wie das geht, war in der vergangenen Woche auf der Computermesse Cebit in Hannover zu sehen. Am Telekom-Stand parkte ein zum connected car aufgerüsteter Elektro-Smart. Alle Funktionen lassen sich per Sprachsteuerung aufrufen. Sagt man zum Beispiel "Tanken und Kino" sucht das System in der näheren Umgebung nach einer Stromtankstelle mit benachbartem Lichtspielhaus. Das Navi leitet einen hin, die Kinokarten werden unterdessen online geordert. So lässt sich die unvermeidliche Ladezeit angenehm überbrücken. Als Display und Verbindungsglied zum Internet dient ein ganz normales Smartphone. Eine Integration in das Armaturenbrett ist nicht nötig, auch kleinere und ältere Autos können damit nachgerüstet werden.

Ford hingegen stattet seine Autos mit dem firmeneigenen System Sync für Onlinezugang und Datenvernetzung aus. In den USA sind bereits über zwei Millionen Serienfahrzeuge damit unterwegs. Vorstandschef Alan Mulally war extra aus Detroit angereist, um Sync auf der Cebit vorzustellen – und hatte sich auf den zur selben Zeit eröffneten Genfer Autosalon nur per Videokonferenz zuschalten lassen. Die Computertechnik war ihm wichtiger. Das Betriebssystem hat Ford bei Microsoft gekauft, die Sprachsteuerung bei Nuance. Display, Schalter, Mikrofon und Lautsprecher sind fest im Armaturenbrett verbaut. Bei teureren Neuwagen gehört das zum Standard. Käufer billigerer Modelle müssen dafür 400 Dollar extra bezahlen.

Ab 2012 soll Sync auch nach Europa kommen. Der Ford-Entwicklungsingenieur Jason Johnson ist dafür von Detroit nach Köln umgezogen. Noch kämpft er mit Widrigkeiten. "In jedem Land ein anderer Standard", stöhnt er. Schon seit vielen Jahren versucht die EU, ein einheitliches System namens eCall durchzusetzen, mit dem nach einem Unfall automatisch ein Notruf an das Computersystem des zuständigen Rettungsdienstes gesendet wird – bisher ohne Erfolg. Johnson will sich davon nicht entmutigen lassen.

Löst ein Airbag aus oder stoppt die Benzinpumpe abrupt, wird das europäische Sync automatisch 112 wählen und mit Computerstimme einen Notruf absetzen. Die Koordinaten des aktuellen Standorts werden in der jeweiligen Landessprache durchgesagt. Welche das ist, ermittelt Sync anhand der Navi-Karte. Und selbst an mehrsprachige Länder hat der Amerikaner gedacht: "In Flandern wird der Notruf auf Niederländisch, in Wallonien auf Französisch abgesetzt". Der verunglückte Fahrer erhält die beruhigende Botschaft, dass Hilfe unterwegs ist, derweil in seiner Muttersprache.